Hinweis

Die Einträge im Lexikon sind veraltet.

Existensgründer-Handbuch

05.03 Rentenversicherung


Selbstständige sind nur im Ausnahmefall versicherungspflichtig in der gesetzlichen Rentenversicherung. Dazu gehören unter bestimmten Voraussetzungen z. B. Lehrer, Erzieher, Hebammen, Künstler und Publizisten sowie Land- und Forstwirte. Die Regelungen für diese speziellen Personenkreise können hier aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht dargestellt werden.
1. Handwerkerpflichtversicherung
Ein größerer Personenkreis, der der Rentenversicherungspflicht unterliegt, sind die selbstständigen Handwerksmeister.
Selbstständige Handwerksmeister sind bei der Deutschen Rentenversicherung pflichtversichert, wenn sie in die Handwerksrolle eingetragen sind und die selbstständige Tätigkeit aufgenommen haben.
Als selbstständiger Handwerksmeister gilt auch ein Gesellschafter einer Personengesellschaft, also z. B. einer OHG, nicht jedoch ein Gesellschafter einer Kapitalgesellschaft, z. B. einer GmbH.
Die Handwerkerpflichtversicherung bleibt bis zur Aufgabe der Tätigkeit bestehen. Sie können sich aber von der Versicherungspflicht befreien lassen, sobald Sie für 216 Monate - das sind 18 Jahre - Pflichtbeiträge gezahlt haben. Die Beiträge zahlen Sie als pflichtversicherter Handwerker selbst. Der Regelbeitrag errechnet sich aus der monatlichen Bezugsgröße (2008: 2.485 EUR, West; 2.100 EUR Ost). Dieser Regelbeitrag wird unabhängig von den tatsächlichen Einkommensverhältnissen des Selbstständigen erhoben.
Hiervon gibt es aber zwei Ausnahmen:
  • Sie können auf Antrag auch niedrigere oder höhere Beiträge entrichten, wenn Sie ein entsprechendes, von der Bezugsgröße abweichendes Einkommen nachweisen.
  • Als Junghandwerker, das sind selbstständige Handwerker in den ersten drei Kalenderjahren ihrer Tätigkeit, können Sie auf Antrag den halben Regelbeitrag zahlen.
2. Pflichtversicherung auf Antrag
Wenn Sie als Selbstständiger nicht schon gesetzlich pflichtversichert sind, haben Sie grundsätzlich die Möglichkeit, die Pflichtversicherung zu beantragen. Als selbstständige Tätigkeit gilt dabei jede nicht nur vorübergehende Tätigkeit mit Einkünften aus Gewerbebetrieb oder selbstständiger Arbeit, z. B. als Taxiunternehmer, Rechtsanwalt usw. Die Höhe Ihres Einkommens spielt dabei keine Rolle.
Den Antrag auf Pflichtversicherung müssen Sie innerhalb von fünf Jahren nach Aufnahme der Tätigkeit stellen. Die Versicherungspflicht ist unwiderruflich. Sie endet erst mit Aufgabe der Tätigkeit oder bei Bezug einer Altersvollrente.
Sie können wählen, ob Sie die Beiträge in Höhe des Regelbeitrages oder nach dem jeweiligen Einkommen entrichten möchten. Für die ersten drei Kalenderjahre können Sie auch den halben Regelbeitrag entrichten. Die entsprechenden Werte sind in der nachfolgenden Tabelle für Sie zusammengestellt worden.
Die Pflichtversicherung bietet Ihnen einige Vorteile. So können Sie die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen für den Bezug einer Rente wegen teilweiser oder voller Erwerbsminderung nicht durch freiwillige, sondern nur durch Pflichtbeiträge erfüllen. Auch die vorzeitige Altersrente für Frauen ist von der Zahlung von Pflichtbeiträgen abhängig.
3. Freiwillige Versicherung
Wenn Sie als Selbstständiger nicht versicherungspflichtig sind und auch die Antragspflichtversicherung nicht wünschen, können Sie alternativ auch freiwillige Beiträge zur Rentenversicherung entrichten.
Die Höhe der Beiträge können Sie zwischen dem Mindest- und dem Höchstbeitrag selbst bestimmen. Der Mindestbeitrag errechnet sich aus monatlich 400 EUR, der Höchstbeitrag aus der Beitragsbemessungsgrenze in der Rentenversicherung.
Übersicht Rentenversicherungsbeiträge für Selbstständige 2008
West Ost
Regelbeitrag 494,52 EUR 417,90 EUR
Mindestbeitrag 79,60 EUR 79,60 EUR
Höchstbetrag 1.054,70 EUR 1.054,70 EUR
4. Abführung der Beiträge
Für die Rentenversicherungsbeiträge Selbstständiger sind generell die Rentenversicherungsträger selbst zuständig. Der Beitragseinzug läuft also nicht wie bei Arbeitnehmern über die Krankenkassen.
5. Zuständigkeit der Rentenversicherungsträger
Die Handwerkerpflichtversicherung wird generell von der Landesversicherungsanstalt (LVA) durchgeführt.
Bei der Pflichtversicherung auf Antrag und der freiwilligen Versicherung richtet sich die Zuständigkeit danach, ob für Sie zuvor die Beiträge zur Arbeiterrentenversicherung, also zur Landesversicherungsanstalt LVA, oder zur Angestelltenversicherung, also zur Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA), gezahlt wurden.
6. Entscheidungshilfe
Welche der dargestellten Versicherungsformen für Sie persönlich sinnvoll ist, kann natürlich nicht im Rahmen des Existenzgründungs-Handbuchs beantwortet werden. Weil die Voraussetzungen bei jedem Einzelnen recht unterschiedlich sein können, sollten Sie in jedem Fall eine individuelle Beratung in Anspruch nehmen. Hierfür stehen Ihnen die Beratungsstellen der Rentenversicherungsträger gern zur Verfügung.
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