Hinweis

Die Einträge im Lexikon sind veraltet.

Existensgründer-Handbuch

06.02 Geschäftsübernahme


Das Ziel, die eigenen Ideen in einem Unternehmen umzusetzen, muss nicht zwangsläufig in eine Neugründung münden. Auch die Geschäftsübernahme bzw. Unternehmensnachfolge gehört zu den prüfenswerten Alternativen für Existenzgründer.
Durch die Übernahme eines laufenden Betriebes können die Risiken , die häufig mit einer Neugründung verbunden sind, minimiert werden. Ein wichtiges Plus sind die bestehenden Geschäftskontakte. Problematisch könnte sich dagegen z. B. das Haftungsrisiko durch die Übernahme von Altschulden erweisen, das bei einer Neugründung noch nicht virulent geworden ist. Eine Geschäftsübernahme will daher gut überlegt sein.
Eine Übernahme empfiehlt sich dann, wenn ein Unternehmen über keine adäquate Nachfolge verfügt und deshalb nach einem geeigneten externen Kandidaten Ausschau hält. In den nächsten Jahren steht für mehrere tausend alteingesessene Unternehmen die Übergabe an die nächste Generation bevor.
Die Industrie- und Handelskammern, die Handwerkskammern und die berufsständischen Kammern geben Hinweise auf zur Nachfolge anstehende Unternehmen.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit hat ein Portal für Unternehmensnachfolge eingerichtet:
http://www.nexxt.org
Optionen einer Geschäftsübernahme:
  • Unternehmenskauf
  • Beteiligung
  • Pacht
1. Unternehmenskauf
Auf die Risiken durch die Übernahme von Altlasten wurde bereits hingewiesen. Ein weiteres Problem generiert die Unternehmensbewertung ( 06.03 Ermittlung der Übernahmekosten ). Was ist ein angemessener Preis für den Kauf eines Unternehmens? Eine nicht einfach zu beantwortende Frage. Viele Verkäufer verlangen - was zu verstehen, aber für den Erwerber nicht zu akzeptieren ist - einen Bonus für ihr Lebenswerk.
Der Unternehmenskauf bietet sich beim Erwerb eines Unternehmens mit allen Aktiva und Passiva an, d. h. mit allen Wirtschaftsgütern, Forderungen (laufende Verträge) und Verbindlichkeiten. Der Kauf kommt aber ebenso in Betracht beim Erwerb eines Teilbetriebes und von Anteilen an Gesellschaften oder bei Eintritt in eine Einzelfirma.
Damit der Unternehmenskauf wirksam wird, müssen Verkäufer und Käufer einen Kaufvertrag schließen. Gesetzlich ist hierfür zwar keine Schriftform vorgeschrieben, allerdings ist sie auf Grund des Beweiszweckes und zur Vermeidung von Streitigkeiten dringend empfehlenswert. Eine notarielle Form ist nur bei der Übertragung von Grundstücken und beim Erwerb von GmbH-Geschäftsanteilen vorgeschrieben.
2. Beteiligung
Neben einer vollständigen Geschäftsübernahme könnte auch eine Beteiligung in Erwägung gezogen werden. Auch hier spielen bestehende Geschäftsbeziehungen eine wesentliche Rolle. Sie können beispielsweise in ein Einzelunternehmen oder in eine bestehende Gesellschaft einsteigen.
2.1 Eintritt in Einzelunternehmen
Bei Eintritt in ein bisher selbstständig geführtes Einzelunternehmen ( 08.01 Einzelunternehmen ) wird dieses automatisch zu einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR).
Die Einzelheiten sollten sorgfältig ausgearbeitet und in einem schriftlichen Gesellschaftsvertrag niedergelegt werden.
Haftung:
Bei Eintritt in ein Einzelunternehmen, welches mit dem Neueintritt zu einer BGB-Gesellschaft wird, haftet der eingetretene Gesellschafter nicht für verdeckte oder offene Altverbindlichkeiten, es sei denn, er verpflichtet sich ausdrücklich hierzu. Er muss deshalb nur für künftige Verbindlichkeiten einstehen. ( 08.02 Gesellschaft des Bürgerlichen Rechts )
2.2 Eintritt in eine Einzelfirma
Bei "Eintritt" in eine im Handelsregister eingetragene Einzelfirma ( 07.01 Firmenbildungsrecht ) gründen der bisherige Einzelkaufmann und der neue Mitinhaber eine Personengesellschaft. Dabei bringt der bisherige Inhaber sein Handelsgeschäft ein. Je nach getroffener Vereinbarung kommen als neue Rechtsform ( 08.00 Wahl der Rechtsform ) eine Offene Handelsgesellschaft (OHG) oder eine Kommanditgesellschaft (KG) in Betracht. In beiden Fällen ist die notarielle Anmeldung zum Handelsregister erforderlich.
Zu beachten ist auch hierbei die Haftung für bestehende bzw. künftige Verbindlichkeiten.
Haftung:
Wird die bisherige Einzelfirma zu einer OHG, wird der neu eintretende Gesellschafter zu einem persönlich haftenden Gesellschafter. Es haften sowohl die neu gegründete Personengesellschaft als auch die Gesellschafter für alte und neue Schulden der bisherigen Firma, unabhängig davon, ob die Firma (also der Name des Unternehmens) fortgeführt wird oder nicht. Gleiches gilt, wenn der neue Gesellschafter Komplementär bei einer KG wird.
Die Haftung der Gesellschaft für Altschulden kann durch eine anders lautende Vereinbarung der Gesellschafter ausgeschlossen werden. Sie ist aber nur wirksam, wenn der Ausschluss
  • in das Handelsregister eingetragen und bekannt gemacht wurde oder
  • dem Gläubiger von einem Gesellschafter mitgeteilt wurde.
Die Haftung der Gesellschafter ist nur im Innenverhältnis beschränkbar, nicht hingegen im Außenverhältnis zu den Gläubigern.
08.03 Offene Handelsgesellschaft
08.05 Kommanditgesellschaft
2.3 Eintritt in eine Personenhandelsgesellschaft
Als weitere Möglichkeit kommt der Eintritt als persönlich haftender Gesellschafter in eine bestehende OHG oder eine KG in Betracht.
Haftung:
Alle Gesellschafter haften mit ihrem gesamten Privatvermögen für sämtliche Verbindlichkeiten der Gesellschaft.
Eine weitere Beteiligungsmöglichkeit an einem bestehenden Unternehmen ist der Eintritt als Kommanditist in eine Kommanditgesellschaft (KG).
Dazu muss der neu eintretende Gesellschafter eine Einlage einbringen und mit seiner Haftungsbeschränkung in das Handelsregister eingetragen werden. Der Kommanditist ist i.d.R. von der Geschäftsführung ausgeschlossen.
Haftung:
Soweit der Kommanditist seine Einlage erbracht hat und die Haftungsbeschränkung in das Handelsregister eingetragen wurde, haftet er Dritten gegenüber nicht.
08.05 Kommanditgesellschaft
2.4 Eintritt in eine Kapitalgesellschaft
Bei einer Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft ist im Rahmen der Existenzgründung der Erwerb eines Geschäftsanteils an einer GmbH von Bedeutung. Der Geschäftsanteil verkörpert die vermögensrechtliche Beteiligung am Gesellschaftsvermögen. Aus ihm resultieren außerdem die Rechte und Pflichten eines Gesellschafters.
Nach § 15 Abs. 1 GmbHG können Gesellschafter einer GmbH grundsätzlich frei über ihre Geschäftsanteile verfügen. In der Regel sieht der Gesellschaftsvertrag jedoch vor, dass alle Gesellschafter oder eine qualifizierte Mehrheit der Veräußerung zustimmen müssen.
Bei der Übertragung eines GmbH-Anteils ist die notarielle Beurkundung notwendig.
Haftung:
Ein GmbH-Gesellschafter haftet grundsätzlich nicht persönlich für Schulden der Gesellschaft.
3. Pacht
Nicht selten wird ein Unternehmen, vielleicht um den Generationenwechsel vorzubereiten, verpachtet. Die Pacht eines Unternehmens stellt im Zweifel die Überlassung sämtlicher Sachen und Rechte sowie der wirtschaftlichen Kontakte dar. Das bedeutet allerdings nicht, dass Bindungsverträge (z. B. Bierlieferungsverträge) automatisch übergehen. Hierfür ist vielmehr eine entsprechende Vereinbarung notwendig.
Zu beachten ist, dass aus der Firmenfortführung bei vollkaufmännischen Unternehmen ( 07.02 Kaufmannseigenschaft ) eine Haftung für die früheren Verbindlichkeiten des Verpächters resultieren kann.
Statt eines Kaufpreises sind deshalb auch nur regelmäßige (monatliche) Pachtzahlungen fällig, allerdings in den verschiedensten Spielarten. Es kommen fixe Beträge, aber auch umsatz- oder gewinnabhängige Zahlungen in Betracht. Auch finden sich häufig Anpassungsklauseln an Lebenshaltungskostenindices in Pachtverträgen wieder. Der Erfolg und Gewinn aus dem Unternehmen gehört dagegen allein dem Pächter.
Fazit
Der Erwerb einer Beteiligung bzw. der Eintritt in ein bestehendes Unternehmen ist nicht selten die Vorstufe für eine spätere Gesamtübernahme . Damit sich die Übernahme oder der Eintritt in ein Unternehmen nicht zu einem unkalkulierbaren Risiko entwickeln, ist besondere Sorgfalt bei der genauen Inventarisierung der Schulden und Verbindlichkeiten notwendig. Lassen Sie sich deshalb durch den Veräußerer eine detaillierte Liste erstellen und verpflichten Sie ihn auf deren Vollständigkeit. Erkundigen Sie sich nach seinen Vermögensverhältnissen. Selbst wenn das Gesetz Ihre Haftung - z. B. im Falle der Firmenfortführung - vorschreibt, können Sie sich zumindest im Innenverhältnis gegenüber dem Veräußerer schadlos halten, was Ihnen natürlich dann nichts nutzt, wenn der Verkäufer vermögenslos ist.
Wenn ein Unternehmen keinen oder zu wenig Gewinn erwirtschaftet und/oder hohe Schulden aufweist, wird die Übernahme eines bestehenden Geschäftes nicht ratsam sein. Darum müssen zur Übernahme angebotene Unternehmen genau analysiert werden.
Im Einzelfall ist es ratsam, folgende Aspekte zu prüfen :
  • allgemeine bisherige Unternehmensentwicklung,
  • Angebot des Unternehmens (Qualitätsniveau, Preis, Wettbewerbsfähigkeit usw.),
  • zukünftige Unternehmensentwicklungen (Sortimentsveränderungen, Patente/Lizenzen, laufende Forschung usw.),
  • inwieweit Lieferanten, Kunden und Wettbewerber auf den Wechsel reagieren werden,
  • Entwicklung des Umsatzes, des Rohertrags bzw. des Deckungsbeitrages, der Kosten und des Gewinnes in den vergangenen fünf (mindestens drei) Jahren,
  • Gewinnerwartung auf Grund der geänderten Geschäftspolitik oder der u. U. höheren Kosten (Neuentwicklungen, neue Investitionen usw.),
  • welche Vermögenspositionen (Anzahl, Alter, Zustand usw.) zu übernehmen und - wie sie zu bewerten sind,
  • welche zusätzlichen Investitionen bzw. Ersatzbeschaffungen erforderlich werden,
  • Ermittlung des Personalstands (Anzahl, Positionen, Qualifikationen usw.) und ob das Personal unternehmenstreu bleibt oder zu einem Wettbewerber abwandern könnte.
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