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Die Einträge im Lexikon sind veraltet.

Existensgründer-Handbuch

06.03 Ermittlung der Übernahmekosten


Ob Sie einen Betrieb tatsächlich übernehmen wollen, wird schließlich auch vom Kaufpreis abhängen. Was ein Unternehmen wert ist, lässt sich so einfach nicht sagen. Da spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle. So erwarten Eigentümer von kleinen und mittelständischen Unternehmen, dass durch den Käufer mit der Betriebsübergabe auch eine ausreichende Altersversorgung sicherzustellen ist. Dies führt nicht selten zu einer überhöhten Preisforderung.
In der Praxis haben sich Methoden bewährt, die den Ertragswert oder den Substanzwert zu Grunde legen. Bei der Ertragswertmethode steht die Bewertung des zukünftigen Gewinns beziehungsweise die Verzinsung des eingesetzten Eigenkapitals im Vordergrund, während bei der Substanzwertmethode der Wert des Anlagevermögens und des Warenbestandes ausschlaggebend sind. Für die Vergabe von öffentlichen Fördermitteln stellt sich die Frage, ob das Unternehmen zu einem akzeptablen Preis erworben wird. Zur Einschätzung der Angemessenheit wird in der Regel die Ertragwertmethode eingesetzt.
1. Ertragswertmethode
Die Methode beruht auf einer Kapitalisierung der für die nächsten Jahre zu erwartenden Gewinne . Hierbei ist jedoch nicht der in einer (voraussichtlichen) Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesene Gewinn maßgebend, sondern der um außerordentliche Faktoren und den kalkulatorischen Unternehmerlohn bereinigte Gewinn zu ermitteln. Dabei sind Gewinnerwartung, Aussichten der Branche, Ruf und Bekanntheitsgrad des Betriebes und das Wissen der Mitarbeiter von großer Bedeutung. Ferner ist das etwaige Geschäftsrisiko zu berücksichtigen. Der Risikofaktor wird ermittelt, indem das zu übernehmende Unternehmen mit dem Risiko anderer Investitionstypen verglichen wird.
Ist z. B. eine Branche stabil, könnte das Risiko etwa mit Bundesanleihen verglichen werden. Dazu wird häufig in Fachkreisen ein Risikozuschlag angesetzt. Denn je höher ein Risiko, desto niedriger ist der Kaufpreis. Der Ertragswert ist umso höher, je niedriger der Abzinsungsfaktor für die künftigen Erträge ist. Bei kleineren Unternehmen, z. B. im Einzelhandel, wird der Übergewinn häufig mit einem Rechenfaktor multipliziert. Je nach Ruf, Standort, eingeführtem Geschäftsnamen, bewährtem und verbleibendem Mitarbeiterstamm werden Sätze zwischen dem Drei- und Achtfachen angesetzt. Im Einzelhandel gilt, dass die Leistung des Vorgängers häufig nach drei bis vier Jahren aufgebraucht ist. Bei derartigen Unternehmen wäre der Übergewinn mit dem Faktor drei bzw. vier zu multiplizieren.
2. Substanzwertmethode
Die Substanzwertmethode ermittelt den gegenwärtigen Verkehrswert aller Vermögensgegenstände , abzüglich der Schulden und Verbindlichkeiten des Betriebes. Bei der Bewertung der Vermögensgegenstände wird insbesondere das Anlagevermögen berücksichtigt. Dazu gehören Maschinen, Anlagen, Einrichtungen, Lagerbestände usw. Die Substanzwertberechnung orientiert sich an den Aufwendungen, die erforderlich wären, um ein Unternehmen gleicher Art zu errichten. Es sind also die Wiederbeschaffungskosten für die Vermögensgegenstände anzusetzen.
Fazit
Beim Vergleich des Ertragswert- und Substanzwertverfahrens ist zu berücksichtigen, dass der Ertragswert im Allgemeinen den wichtigeren Wert darstellt. Dabei dürfte der Verkäufer eines Unternehmens mit negativem Ertragswert wohl kaum bereit sein, sein Unternehmen unter dem Substanzwert abzugeben. Es empfiehlt sich, diese Werte durch neutrale Sachverständige schätzen zu lassen. Die Adressen der Gutachter erfahren Sie bei Ihrer örtlichen Industrie- und Handelskammer (IHK) oder Handwerkskammer.
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