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Existensgründer-Handbuch

08.02 Gesellschaft des Bürgerlichen Rechts (GbR)


1. Allgemein
Eine Gesellschaft des Bürgerlichen Rechts (GbR) ist der Zusammenschluss mindestens zweier Personen zur Verfolgung eines gemeinsamen Zwecks. Als Zweck kommt jeder nicht gegen ein Gesetz verstoßende Zweck in Betracht. Es muss sich daher nicht um einen kaufmännischen Betrieb handeln.
Die Gesellschaft des Bürgerlichen Rechts wird auch als BGB-Gesellschaft bezeichnet. Grund ist, dass sie die einzige Gesellschaft ist, deren Rechtsgrundlagen im BGB niedergelegt sind.
Sie ist die Grundform der Personengesellschaften und aufgrund ihrer formlosen Gründungsvoraussetzungen sehr beliebt.
Beispiele für GbR sind:
  • Praxisgemeinschaften freier Berufe,
  • Arbeitsgemeinschaften mehrerer Firmen im Baugewerbe,
  • gemeinsamer Betrieb eines Geschäftes durch Eheleute.
Im Gegensatz zu anderen Gesellschaftszusammenschlüssen handelt es sich um einen sehr einfachen Gründungsakt:
2. Gründung
Die Gründung der Gesellschaft erfordert (nur) den Abschluss eines Vertrages, der aber weder schriftlich noch ausdrücklich mündlich abgeschlossen sein muss. Es ist ausreichend, wenn sich die Gesellschafter stillschweigend geeinigt haben. Ratsam sind der schriftliche Abschluss des Vertrages und die Aufnahme von Regelungen zur Geschäftsführung und Vertretung sowie zum Wechsel der Gesellschafter und zur Beendigung der Gesellschaft.
Für die Gründung ist kein Mindestkapital erforderlich. Die Gesellschaft muss nicht in das Handelsregister eingetragen werden.
Davon abgesehen kann aber, wenn der Gesellschaft ein Handelsgewerbe zu Grunde liegt, eine Eintragungspflicht nach dem Handelsrecht bestehen.
Die GbR kann auch als reine Innengesellschaft bestehen, d. h. die Gesellschaft tritt im Rechtsleben nicht nach außen in Erscheinung.
Bisher war die GbR nicht rechts- und parteifähig, d. h. die Gesellschaft selbst konnte z. B. nicht klagen oder verklagt werden. Erforderlich war immer die Nennung sämtlicher Gesellschafter.
Dies hat sich im Januar 2001 durch ein Urteil des Bundesgerichtshofes geändert. Nunmehr ist auch die GbR rechts- und parteifähig , wenn sie eigene Rechte und Pflichten begründet, d. h. es sich um eine Außengesellschaft handelt.
Die GbR selbst kann daher jetzt selbst klagen oder verklagt werden.
3. Haftung
Die Haftung einer GbR birgt einige Risiken. Die Gesellschafter einer GbR haften wie folgt:
  1. a)
    Schulden der Gesellschaft:
    Zunächst haftet das Gesellschaftsvermögen für Schulden der Gesellschaft. Die Gesellschafter haften unmittelbar und persönlich mit ihrem Privatvermögen als Gesamtschuldner. Eingetretene Gesellschafter haften allerdings nicht für frühere Verbindlichkeiten. Für mitbegründete Schulden haften in einem zeitlichen Rahmen von fünf Jahren auch ausgeschiedene Gesellschafter.
  2. b)
    Privatschulden eines Gesellschafters:
    Umgekehrt haftet das Gesellschaftsvermögen auch für Privatschulden eines einzelnen Gesellschafters, aber nur in Höhe seines Anteils. Das gesamte Gesellschaftsvermögen haftet nicht für die Privatschulden eines einzelnen Gesellschafters.
4. Anforderungen
Formvorschriften: nein, Schriftform empfohlen
Handelsregister: nein
Mindestkapital: kein
Vertretung: Gesellschafter gemeinschaftlich
Haftung: unbeschränkt, auch Privatvermögen, solidarisch
Aufsichtsorgan: nein
Jahresabschluss: Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung
Steuern vom Ertrag: Einkommensteuer bei den Gesellschaftern, Gewerbesteuer bei der Gesellschaft
5. Vorteile
  • extrem einfacher Gründungsvorgang,
  • Mindesteinlage entfällt,
  • Eintragung ins Handelsregister entfällt,
  • Gesamtschuldnerische Haftung, d. h. die Haftung wird im Gegensatz zum Einzelunternehmen auf mehrere Gesellschafter verteilt.
6. Nachteile
  • uneingeschränkte Haftung,
  • eingeschränktes Tätigkeitsfeld,
  • keine alleinige Geschäftsführung und Entscheidungsbefugnis.
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