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Lexikon der Unternehmensführung - Organisation

Fraktale Fabrik


  • Definition
    Die "fraktale Fabrik" bezeichnet ein modernes Konzept im Produktionsmanagement , mit dem auf verschärfte Wettbewerbsanforderungen reagiert werden soll.
  • Was bedeutet "fraktal"?
    Dieser Begriff nimmt eine zentrale Position im des Konzepts der fraktalen Fabrik im Produktionsmanagement ein. Der Begriff "Fraktal" lehnt sich an die naturwissenschaftlich-mathematischen Chaostheorie (fraktale Geometrie) an. Er bezeichnet hier sich selbst organisierende und selbst weiterentwickelnde natürliche Strukturen, also auch höhere Organismen, die einander ähnlich aufgebaut sind.
  • Fraktale Fabrik
    Eine fraktal organisierte Fabrik ist also ein System, das aus selbstständig agierenden Einheiten besteht, die eine ähnliche Struktur aufweisen. Fraktale sind sozusagen die Grundbausteine in diesem Konzept. Sie agieren selbstständig auf dem Markt, wobei jedoch die Ziele und grundlegenden Organisationsvorgaben der Fraktale immer mit den Zielen und Strukturen des gesamten Unternehmens übereinstimmen. Die betrieblichen Einheiten organisieren ihre internen Abläufe weit gehend selbst und übernehmen Erfolgsverantwortung .
    Alle Betriebseinheiten innerhalb der fraktalen Fabrik können sich selbst bewegen und steuern, wobei sie jedoch dasselbe Ziel verfolgen. Das Fraktal steuert und überwacht seinen ständigen Optimierungs- und Verbesserungsprozess selbst, für den die Lernbereitschaft seiner Mitarbeiter einen Wettbewerbsvorteil bildet. Bei Abweichungen von vorgegebenen Zielgrößen oder Grenzwerten erfolgt eine Kommunikation mit dem Gesamtunternehmen. Ein leistungsfähiges Informations- und Kommunikationssystem bildet dementsprechend eine wichtige Grundlage für das eigenverantwortliche Agieren der Fraktale.
  • Konzept im Produktionsmanagement
    Die Bezeichnung "fraktale Fabrik" steht für ein Konzept im Produktionsmanagement, das auf Kerngedanken zurückgreift, die sich in verschiedenen, ebenfalls modernen, aber bereits praktizierten Managementkonzepten in der Produktion finden. Aus diesen Konzepten des modernen Produktionsmanagements werden wichtige Elemente aufgenommen und unter dem "Dach" einer "Baustein-Fertigung" (modularisierten Fertigung) zusammengeführt.
    Es setzt die Fertigungssegmentierung um und führt diese insbesondere mit den Gedanken der lernenden Organisation zusammen. Die Idee des Reengineering wird ebenso wie die der Lean Production mit ihrem Beitrag zur Schaffung logistikgerechter Fabrikstrukturen verfolgt.
    Alle genannten Konzepte verbindet
    • die Zielstellung im sich verschärfenden Wettbewerb, der durch Kosten- und Zeitdruck bei permanent hoher Qualität von Produkten und Prozessen geprägt ist, langfristig zu bestehen und
    • die Konzentration auf den Funktionsbereich der Produktion im Unternehmen in seiner (unterschiedlich ausgeprägten) Verbindung mit Planungs- und Steuerungsfunktionen ( Organisation: direkte und indirekte Bereiche ).
    Mit der fraktalen Fabrik wird der Kerngedanke modularer Organisationsansätze in der Fertigung bzw. der Fertigungssegmentierung dahingehend erweitert, dass das Unternehmen als ein aus Zellen bestehender lebendiger Organismus aufgefasst wird.
  • Dezentrale Einheiten mit Erfolgsverantwortung
    Nach Ansicht einiger Autoren sollten spezielle dezentrale Einheiten mit eigener Erfolgsverantwortung ausgestattet werden, um eine " Fabrik in der Fabrik " zu schaffen. Diese Forderung ist aus der Erkenntnis gewachsen, dass mit zunehmender Arbeitsteilung und der Entfernung der Hierarchie -Ebene von der Zentrale die Beziehung zur übergeordneten Zielstellung bzw. zum Endprodukt verloren geht. Die Verantwortung der unmittelbar ausführenden Einheiten für ihren speziellen Beitrag zum Erfolg des Unternehmens wird gestärkt, indem die Ideen und die Kreativität der dort beschäftigten Mitarbeiter im kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) aufgegriffen werden.
    Voraussetzung für den durch das Fraktal gesteuerten Verbesserungs- und Optimierungsprozess ist ein leistungsfähiges, computergestützt organisiertes Informations- und Kommunikationssystem. Im Vordergrund steht der horizontale Informationsaustausch innerhalb des Betriebes, der als ein Informationsnetzwerk begriffen wird. Dabei bestimmen die betrieblichen Einheiten weitestgehend selbst, welche Informationen sie von anderen Bereichen einholen und welche sie im Austausch anderen Bereichen überlassen.
    Wird der Modularisierungsgedanke über die Fertigung hinaus auf das gesamte Unternehmen übertragen, entsteht die fraktale Fabrik. Diese führt zu völlig neuartigen Organisationskonzepten, die Problemlösungen zur Bewältigung der Komplexität des Leistungserstellungsprozesses anbieten, indem alle an der Auftragsabwicklung beteiligten Segmente in Leistungs-Centern zusammengeführt werden. Deren Tätigkeit wird durch das Service-Center unterstützt, in dem Dienstleistungsfunktionen gebündelt werden. Es entstehen letztlich logistikgerechte Fabrikstrukturen.
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