Wichtiger Hinweis

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Hinweis 12.2 EStH 2006

Abgrenzungsmerkmale
Für betriebs-/berufsbedingte Aufwendungen können z. B. folgende Merkmale sprechen:
  • ein homogener Teilnehmerkreis,
  • eine straffe und lehrgangsmäßige Organisation,
  • ein Programm, das auf die betrieblichen/beruflichen Bedürfnisse und Gegebenheiten der Teilnehmer zugeschnitten ist,
  • (bei Arbeitnehmern) die Gewährung von Dienstbefreiung oder Sonderurlaub,
  • (bei Arbeitnehmern) Zuschüsse des Arbeitgebers.
Gegen betriebs-/berufsbedingte Aufwendungen können z. B. folgende Merkmale sprechen:
  • der Besuch bevorzugter Ziele des Tourismus,
  • häufiger Ortswechsel,
  • bei kürzeren Veranstaltungen die Einbeziehung vieler Sonn- und Feiertage, die zur freien Verfügung stehen,
  • die Mitnahme des Ehegatten oder anderer naher Angehöriger,
  • die Verbindung mit einem Privataufenthalt,
  • die Reise in den heimischen Kulturkreis,
  • entspannende oder kostspielige Beförderung, z. B. Schiffsreise.
Die Merkmale können von Fall zu Fall unterschiedliches Gewicht haben (>BFH vom 27.11.1978 - BStBl 1979 II  S. 213).
Ärztefortbildung
Teilnahme ist nicht ganz überwiegend beruflich veranlasst, wenn der Lehrgang nach Programm und Durchführung in nicht unerheblichem Maße die Verfolgung privater Erlebnis- und Erholungsinteressen zulässt.
  • Reise in den heimischen Kulturkreis:
    >BFH vom 23.1.1997 (BStBl II S. 357).
  • Sportmedizin:
    >BFH vom 19.10.1989 (BStBl 1990 II S. 134).
    >BFH vom 15.3.1990 (BStBl II S. 736).
  • Wintersportort:
    >BFH vom 4.8.1977 (BStBl II S. 829).
Allgemeinbildende Reise
Dient die Reise der allgemeinen Information über die geographischen, wirtschaftlichen und sonstigen Besonderheiten des besuchten Landes oder der allgemeinen wirtschaftlichen Bildung der Teilnehmer, liegt keine so gut wie ausschließlich betriebliche/berufliche Veranlassung vor.
>BFH vom 27.11.1978 (BStBl 1979 II S. 213) - Grundsatzbeschluss zu Auslandsgruppenreisen
>BFH vom 23.10.1981 (BStBl 1982 II S. 69) - Reise eines Geographielehrers
>BFH vom 15.12.1982 (BStBl 1983 II S. 409) - Gruppenreise von Gewerbetreibenden ins Ausland
>BFH vom 27.3.1991 (BStBl II S. 575) - Gruppenreise eines Hochschulgeographen ins Ausland
>BFH vom 22.1.1993 (BStBl II S. 612) - von Justizbehörden unterstützte und geförderte Gruppenreise von Richtern und Staatsanwälten
>BFH vom 25.3.1993 (BStBl II S. 559) - Teilnahme an einer Gruppenreise mit Schwerpunkt auf allgemeintouristischen Zwecken und nachträgliche Verwertung der Reiseeindrücke
>BFH vom 30.4.1993 (BStBl II S. 674) - Teilnahme an einer Bildungsgruppenreise mit zugewiesenen unwesentlichen Aufgaben der Reiseorganisation
>BFH vom 21.8.1995 (BStBl 1996 II S. 10) - Reise einer Englischlehrerin, Verfolgung allgemeintouristischer Zwecke neben einem Ausflug am Wochenende auch an mehreren Arbeitstagen
Betriebliche/berufliche Reise
  • Aufwendungen einer Kunstmalerin für eine Reise in ein beliebtes Urlaubsgebiet sind als Betriebsausgaben abziehbar, wenn sie die Reise unternommen hat, um am Ziel der Reise wegen des dort vorhandenen landschaftlichen oder kulturellen Umfelds in einer ihrem besonderen Malstil entsprechenden Arbeitsweise tätig zu werden, und private Motive für die Reise ausscheiden (>BFH vom 16.10.1986 - BStBl 1987 II S. 208).
  • Für eine (Auslands-)Reise kann ein hinreichend konkreter betrieblicher oder beruflicher Anlass auch dann vorliegen, wenn es sich zwar um die Teilnahme an einer Gruppenreise handelt, der Stpfl. aber mit der Organisation und Durchführung einer solchen Reise beauftragt worden ist (>BFH vom 27.8.2002 - BStBl 2003 II S. 369).
Einzelaufwendungen
Ist eine Reise insgesamt nicht betrieblich/beruflich veranlasst, können einzelne zusätzliche Aufwendungen gleichwohl Betriebsausgaben oder Werbungskosten sein. Voraussetzung dafür ist, dass sie von den übrigen Reisekosten sicher und leicht abgrenzbar und ausschließlich betrieblich/beruflich veranlasst sind. Die Kosten sind nicht abziehbar, wenn sie auch entstanden wären, wenn der Stpfl. den betrieblich/beruflich veranlassten Reiseteil nicht durchgeführt hätte. Bei den zusätzlichen Aufwendungen kann es sich z. B. um Kursgebühren, Eintrittsgelder, Fahrtkosten, zusätzliche Übernachtungskosten und Mehraufwendungen für Verpflegung handeln. Die zusätzlichen Übernachtungskosten sowie die Mehraufwendungen für Verpflegung können mit den für Geschäfts-/Dienstreisen geltenden Pauschbeträgen (>LStR) angesetzt werden.
> BFH vom 27.11.1978 (BStBl 1979 II S. 213) - Grundsatzbeschluss zu Auslandsgruppenreisen
> BFH vom 18.10.1990 (BStBl 1991 II S. 92) - zusätzliche Aufwendungen für Materialsammlung zu einem Fremdsprachen-Schulbuch
>BFH vom 23.4.1992 (BStBl II S. 898) - Fortbildungsveranstaltung und vorangehender Urlaubsaufenthalt
Fachkongresse
  • Ausland
    Bei Fachkongressen im Ausland können Zweifel an der betrieblichen/beruflichen Veranlassung insbesondere dann bestehen, wenn die Veranstaltungen an beliebten Erholungsorten stattfinden. Der Ort einer Fachtagung ist jedoch von geringer Bedeutung, wenn es sich um eine Tagung internationalen Gepräges mit Beteiligung ausländischer Teilnehmer und Dozenten handelt (>BFH vom 16.1.1974 - BStBl II S. 291), es sei denn, den Teilnehmern wird durch die Gestaltung der Tagung gezielt die Möglichkeit eröffnet, die Freizeitangebote dieses Ortes zu nutzen, z. B. durch eine außergewöhnlich lange Mittagspause (>BFH vom 5.9.1990 - BStBl II S. 1059) oder durch einen hohen Freizeitanteil (>BFH vom 9.8.1996 - BStBl 1997 II S. 97). Allerdings kann die steuerliche Berücksichtigung nicht mit der Begründung versagt werden, die Veranstaltung habe in einem Mitgliedsstaat der EU stattgefunden. Dies gilt auch für Staaten, auf die das EWR-Abkommen Anwendung findet, und für die Schweiz (>BMF vom 26.9.2003 - BStBl I S. 447).
  • Konkreter Nutzen für den Betrieb
    Die Teilnahme an einem Fachkongress kann betrieblich veranlasst sein, wenn sie nachweislich für den Betrieb von Nutzen ist,
    >BFH vom 23.11.1988 (BStBl 1989 II S. 405) - Teilnahme eines Buchhändlers an Tagung der Gesellschaft für Tiefenpsychologie,
    >BFH vom 13.12.1984 (BStBl 1985 II S. 325) - aktive Teilnahme eines Gewerbetreibenden an einem Fachkongress.
  • Nachweis der Teilnahme
    Bei betrieblicher/beruflicher Veranlassung sind Aufwendungen für die Teilnahme an einem Kongress nur abziehbar, wenn feststeht, dass der Stpfl. an den Veranstaltungen teilgenommen hat (>BFH vom 4.8.1977 - BStBl II S. 829). An den Nachweis der Teilnahme sind strenge Anforderungen zu stellen; der Nachweis muss sich auf jede Einzelveranstaltung beziehen, braucht jedoch nicht in jedem Fall durch Anwesenheitstestat geführt zu werden (>BFH vom 13.2.1980 - BStBl II S. 386).
  • Schiffsreise
    Wird ein Kongress mit einer Reise verbunden, z. B. sog. schwimmende Kongresse, ist dies in der Regel ein Beweisanzeichen für eine private Mitveranlassung von nicht nur untergeordneter Bedeutung (>BFH vom 14.7.1988 - BStBl 1989 II S. 19).
  • >Vortragstätigkeit
Incentive-Reisen
>BMF vom 14.10.1996 (BStBl I S. 1192)
Klassenfahrt eines Berufsschülers
Aufwendungen sind regelmäßig Werbungskosten bei den aus dem Ausbildungsverhältnis erzielten Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit (>BFH vom 7.2.1992 - BStBl II  S. 531).
Schulskileiter-Lizenz
Aufwendungen für die Lehrgangsteilnahme können nur bei in der Schule im Fach Sport eingesetzten Lehrerinnen und Lehrern unter eng begrenzten Voraussetzungen als Werbungskosten anerkannt werden (>BFH vom 26.8.1988 - BStBl 1989 II S. 91).
Sprachkurse im und Studienreisen ins Ausland
Bei Studienreisen ins Ausland kann gegen die betriebliche/berufliche Veranlassung sprechen, wenn Anlagen und Einrichtungen gleicher Art im Inland oder im näherliegenden Ausland hätten besucht werden können. Das Gleiche gilt für Sprachkurse im Ausland, wenn die Durchführung der Veranstaltung im Inland den gleichen Erfolg hätte haben können (>BFH vom 31.7.1980 - BStBl II S. 746 und vom 22.7.1993 - BStBl II S. 787). Allerdings kann die steuerliche Berücksichtigung nicht mit der Begründung versagt werden, die Veranstaltung habe in einem Mitgliedsstaat der EU stattgefunden. Dies gilt auch für Staaten, auf die das EWR-Abkommen Anwendung findet, und für die Schweiz (>BMF vom 26.9.2003 - BStBl I S. 447).
Vortragstätigkeit
Das Halten eines Vortrags ist für sich genommen nicht geeignet, die Teilnahme an einem Fachkongress als unmittelbar beruflich veranlasst anzusehen; eine zusätzliche Dolmetscherfunktion führt zu keiner anderen Beurteilung (>BFH vom 23.1.1997 - BStBl II  S. 357).
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