Hinweis

Die Einträge im Lexikon sind veraltet.

Steuer-Lexikon

Anrechnungsverfahren


  • Änderungen durch das Steuersenkungsgesetz
    Durch das Steuersenkungsgesetz ( StSenkG ) wurde das Anrechnungsverfahren auf Ebene der Körperschaften ab dem Wirtschaftsjahr 2001 (bei abweichendem Wirtschaftsjahr ab 2001/2002) abgeschafft.
    Das Anrechnungsverfahren ist durch das sog. Halbeinkünfteverfahren ersetzt worden. Dieses Verfahren soll eine Doppelbelastung mit Körperschaftsteuer und Einkommensteuer dadurch verhindern, dass Dividenden und Gewinne aus der Veräußerung von Anteilen an Kapitalgesellschaften nur zur Hälfte besteuert werden ( §§ 3 Nr. 40 , 3c Abs. 2 EStG ). Dieser Halbansatz gilt jedoch für Veräußerungsverluste entsprechend.
    Zum Systemwechsel vom Anrechnungsverfahren zum Halbeinkünfteverfahren betreffend die Körperschaften vgl. Körperschaftsteuer - Umgliederung , Körperschaftsteuer - Übergangsphase , Körperschaftsteuerminderung , Körperschaftsteuererhöhung , Körperschaftsteuerguthaben .
  • Einzelheiten zum Anrechnungsverfahren
    Durch das Anrechnungsverfahren sollte eine Doppelbelastung von Kapitalgesellschaften vermieden werden.
    Die Gewinne einer Kapitalgesellschaft wurden nämlich zunächst mit der Körperschaftsteuer (KSt) besteuert. Die ausgeschütteten Gewinne ( Offene Gewinnausschüttung ) unterlagen dann zusätzlich noch als Dividende der persönlichen Einkommensteuer (ESt) des Gesellschafters ( § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG ).
    Um eine doppelte Belastung zu vermeiden, unterlagen die ausgeschütteten Gewinne auf der Ebene der Kapitalgesellschaft einer Ausschüttungsbelastung von zuletzt 30 % ( § 27 Abs. 1 KStG ); die KSt für thesaurierte (= nicht ausgeschüttete/angesammelte) Gewinne betrug 40 %. Zwar unterlag die Bruttodividende (einschl. anrechenbarer KSt und Kapitalertragsteuer) der ESt des Anteilseigners (AE), aber gleichzeitig konnte dieser die ESt um die Anrechnungsbeträge mindern. Durch diese Anrechnung wurde erreicht, dass die ausgeschütteten Gewinne letztlich der persönlichen ESt-Belastung des Anteilseigners unterlagen (vgl Aktien ).
    Beispiel (ohne und mit Solidaritätszuschlag)
    Die Kapitalgesellschaft erzielt ein zu versteuerndes Einkommen (z.v.E.) i.H.v. 100. Für das Wirtschaftsjahr soll eine Vollausschüttung - also der gesamte Gewinn - an die AE erfolgen:
    a) ohne Solidaritätszuschlag (vereinfachte Darstellung)
    = verbleibende ESt - 7.500 DM
    (Steuererstattung)
    Ebene der Kapitalgesellschaft:
    Gewinn vor KSt 100.000 DM
    - Körperschaftsteuerliche Tarifbelastung(40 % von 100.000 DM ) 40.000 DM
    (vgl. ->Körperschaftsteuer/Tarifbelastung):
    -------------
    = verwendbarer Gewinn (= Zugang ->verwendbares Eigenkapital) 60.000 DM
    + Minderung der KSt wegen Gewinnausschüttung: 10/60 von 60.000 DM 10.000 DM
    -------------
    = Gewinnausschüttung an AE 70.000 DM
    - einzubehaltende Kapitalertragsteuer (KapESt): 25 % von 70.000 DM - 17.500 DM
    -------------
    = auszuzahlende Gewinnausschüttung 52.500 DM
    Ebene des Anteilseigners:
    erhaltene Gewinnausschüttung (s.o.) 52.500 DM
    + einbehaltene Kapitalertragsteuer (s.o.) 17.500 DM
    ------------
    = Gewinnausschüttung 70.000 DM
    + anrechenbare KSt (30/70 von 70.000 DM =) 30.000 DM
    ------------
    = Brutto-Gewinnausschüttung (hier = Vollausschüttungsbetrag) 100.000 DM
    persönliche ESt des AE (angenommen 40 %) 40.000 DM
    - anrechenbare einbehaltene KapESt 17.500 DM
    - anrechenbare KSt 30.000 DM
    ------------
    b) mit Solidaritätszuschlag
    = verbleibende ESt - 7.293 DM
    (Steuererstattung)
    Ebene der Kapitalgesellschaft:
    Gewinn vor KSt/Solidaritätszuschlag (SolZ, z.Zt. 5,5 %) 100.000 DM
    - Körperschaftsteuerliche Tarifbelastung (40 % von 100.000 DM) 40.000 DM
    - SolZ auf Tarifbelastung abzgl. KSt-Minderung 5,5 % von 30.277 DM
    (= 40.000 DM -9.723 DM) - 1.665 DM
    ------------
    = verwendbarer Gewinn (= Zugang verwendbares Eigenkapital) 58.335 DM
    + Minderung der KSt wegen Gewinnausschüttung (10/60 von 58.335 DM): 9.723 DM
    ------------
    = Gewinnausschüttung an AE 68.058 DM
    - einzubehaltende Kapitalertragsteuer (KapESt) (25 % von 68.058 DM) 17.015 DM
    - einzubehaltender SolZ (5,5 % von 17.015 DM ) 936 DM
    ------------
    = auszuzahlende Gewinnausschüttung 50.107 DM
    Ebene des Anteilseigners:
    erhaltene Gewinnausschüttung (s.o.) 50.107 DM
    + einbehaltene Kapitalertragsteuer (s.o.) 17.015 DM
    + einbehaltener SolZ (s.o.) 936 DM
    -------------
    = Gewinnausschüttung 68.058 DM
    + anrechenbare KSt (30/70 von 68.058 DM) 29.168 DM
    -------------
    = Brutto-Gewinnausschüttung 97.226 DM
    persönliche ESt des AE (angenommen 40 %) 38.890 DM
    - anrechenbare einbehaltene KapESt 17.015 DM
    - anrechenbare KSt 29.168 DM
    -------------
WoltersKluwer