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Die Einträge im Lexikon sind veraltet.

Steuer-Lexikon

Anteilsverkäufe


  • Allgemeines
    Der Verkauf von Anteilen an Kapitalgesellschaften, die im Privatvermögen gehalten werden, führt im Normalfall nicht zu steuerpflichtigen Einkünften, wenn nicht ein sog. Spekulationsgeschäft vorliegt, weil zwischen Kauf und Verkauf der Anteile nicht mehr als ein Jahr liegt.
    Eine Sonderstellung nehmen dabei aber Beteiligungen ein, wenn die Beteiligung mindestens 1 % beträgt. Diese stellen sich wie folgt dar:
    Zu den Einkünften aus Gewerbebetrieb gehört u.a. der Gewinn (oder Verlust) aus der Veräußerung von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft, wenn der Veräußerer in den letzten 5 Jahren am Kapital der Gesellschaft unmittelbar oder mittelbar zu mindestens 1 % beteiligt war ( § 17 Abs. 1 Satz 1 EStG ). Gleichzeitig werden die dadurch erzielten Veräußerungsgewinne (Veräußerungsverluste) in das Halbeinkünfteverfahren einbezogen; sie unterliegen aber nicht der ermäßigten Besteuerung nach § 34 EStG .
  • Verluste aus "wesentlichen Beteiligungen"
    Nicht nur Veräußerungsgewinne sind steuerwirksam. Bei einer Anteilsveräußerung, Liquidation oder beim Konkurs des Unternehmens können sich Erlöse ergeben, die unter den ursprünglichen Anschaffungskosten der Anteile liegen ( Darlehnsverluste ). Bei Vorliegen einer Beteiligung i.S.v. § 17 Abs. 1 S. 1 EStG stellen diese Verluste negative Einkünfte i.S.d. § 17 EStG dar, die unter bestimmten Einschränkungen mit anderen positiven Einkünften verrechnet bzw. vor- oder zurückgetragen werden können ( Verlustabzug und Verlustausgleich ). Zur Behandlung der Fälle, in denen gleichzeitig der Tatbestand eines Spekulationsgeschäftes ( § 23 EStG ) vorliegt vgl. Spekulationsgeschäft .
    Für Verluste gilt ebenfalls das Halbeinkünfteverfahren . Veräußerungsverluste können somit nur zu 50 % steuerlich berücksichtigt werden.
    § 17 Abs. 2 Satz 4 EStG soll verhindern, dass Veräußerungsverluste bei Beteiligungen, die nicht unter § 17 Abs. 1 S. 1 EStG fallen, durch bestimmte Gestaltungen steuerlich abziehbar gemacht werden, während andererseits Gewinne aus der Veräußerung von solchen Beteiligungen grundsätzlich nicht steuerpflichtig sind.
    Satz 4 Buchstabe a stellt insbesondere klar, dass ein Verlustabzug nicht erreicht werden kann, indem ein nicht nach § 17 Abs. 1 S. 1 EStG Beteiligter seine Verlustbeteiligung einem Beteiligten i.S. d. § 17 Abs. 1 S. 1 EStG schenkt.
    Satz 4 Buchstabe b schränkt das Abzugsverbot auf die eigentlichen Missbrauchsfälle ein, sodass eine unnötige Behinderung wirtschaftlicher Vorgänge vermieden wird. Die Neuregelung begünstigt die entgeltliche Aufstockung zur Erreichung einer Beteiligung i.S.v. § 17 Abs. 1 S. 1 EStG . Hat ein Gesellschafter z.B. bereits 0,5 v.H. und kauft er 1 v.H. hinzu, so kann er einen innerhalb der kommenden 5 Jahre erlittenen Veräußerungsverlust in Höhe der hinzugekauften Beteiligung steuerlich abziehen.
    A hat in 2000 einen Anteil an einer GmbH in Höhe von 0,5 % des Stammkapitals für 5.000 EUR erworben. In 2001 erwirbt er weitere 1 % für 15.000 EUR. Im Jahre 2003 gerät die GmbH in wirtschaftliche Schwierigkeiten und muss am Jahresende wegen des Scheiterns der Sanierungsbemühungen aufgelöst werden.
    Lösung:
    In Zeitpunkt der Auflösung der GmbH ist A mit 1,5 %, also mit mindestens 1 % und damit im Sinne von § 17 EStG beteiligt. A kann seine Anschaffungskosten für die Beteiligung jedoch nicht in voller Höhe als Verlust geltend machen.
    Nach § 17 Abs. 2 Satz 4 EStG kann A insoweit einen steuerlichen Verlust geltend machen, als er innerhalb der letzten 5 Jahre eine Beteiligung i.S.d. § 17 EStG erworben hat. Der Zuerwerb in 2002 hatte zur Folge, dass A ab diesem Zeitpunkt i.S.v. § 17 EStG beteiligt war.
    Somit ermittelt sich der in 2003 steuerwirksame Verlust des A nach § 17 EStG wie folgt:
    nach § 17 Abs. 2 Satz 4 b Satz 2 EStG: 1/1,5 13.334 EUR
    Veräußerungserlös 0 EUR
    Anschaffungskosten (§ 17 Abs. 2 Satz 1 EStG) 5.000 EUR + 15.000 EUR =  20.000 EUR
    ---------------
    Veräußerungsverlust ./. 20.000 EUR
    davon steuerlich zu berücksichtigen:
  • Freibetrag
    Geringfügige steuerpflichtige Veräußerungsgewinne werden über einen besonderen Freibetrag ( § 17 Abs. 3 EStG ) steuerfrei gelassen. Der Freibetrag liegt für den Verkauf einer 100 %-igen Beteiligung bei 10.300 EUR. Er wird um den Teil des Veräußerungsgewinns gekürzt, der 41.000 EUR übersteigt. Liegt die Beteiligung unter 100 %, sind die o.g. Beträge entsprechend zu kürzen.
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