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Die Einträge im Lexikon sind veraltet.

Steuer-Lexikon

Arbeitnehmer-Pauschbetrag


Damit Arbeitnehmer nicht alle Werbungskosten im Einzelnen nachweisen müssen, wird bei Ermittlung der Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit bis 2010 ein Pauschbetrag von 920 EUR berücksichtigt. Dieser Pauschbetrag ist bereits in den Lohnsteuertabellen eingearbeitet. Sollen höhere Werbungskosten bereits beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt werden, kann ein Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte eingetragen werden. Werbungskosten über 920 EUR, Sonderausgaben und sonstige Aufwendungen und Freibeträge können eingetragen werden, wenn die Aufwendungen und Beträge mehr als 600 EUR betragen.
In der Einkommensteuer-Grundtabelle, ebenso wie in der Splittingtabelle, ist der Pauschbetrag nicht eingearbeitet. Das Finanzamt berücksichtigt im Rahmen der Einkommensteuer-Veranlagung grundsätzlich den Arbeitnehmer-Pauschbetrag. Sind die tatsächlichen Werbungskosten höher, müssen diese im Einzelnen nachgewiesenen werden.
Mit dem Steuervereinfachungsgesetz 2011 ist beschlossen worden, den Arbeitnehmer-Pauschbetrag ab 2011 auf 1.000 EUR anzuheben. Die Umsetzung der Anhebung soll bei der Lohnabrechnung Dezember 2011erfolgen. Um bürokratische Belastungen für die Arbeitgeber zu vermeiden, ist der erhöhte Arbeitnehmer-Pauschbetrag beim Lohnsteuerabzug erstmals auf den laufenden Arbeitslohn anzuwenden, der für einen nach dem 30.11.2011 endenden Lohnzahlungszeitraum gezahlt wird ( § 52 Abs. 23e Satz 2 EStG ). Entsprechendes gilt für sonstige Bezüge, die nach dem 30.11.2011 zufließen. Für die Lohnabrechnungszeiträume Januar 2011 bis November 2011 ist unverändert von einem Arbeitnehmer-Pauschbetrag in Höhe von 920 EUR auszugehen (§ 52 Abs. 23e Satz 3 EStG). Damit greift die Regelung des § 41c Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 und Satz 2 EStG , nach der der Arbeitgeber bei rückwirkender Gesetzesänderung grds. zur Änderung des Lohnsteuerabzugs verpflichtet wäre, nicht. Für die Durchführung des Lohnsteuerabzugs schreibt eine gesonderte Anwendungsregelung ( § 52 Abs. 51 Satz 1 EStG ) vor, dass im Dezember 2011 der gesamte Erhöhungsbetrag von 80 EUR beim Lohnsteuerabzug zu berücksichtigen ist. Technisch wird dies durch den Ansatz eines lohnsteuerlichen Ausgleichsbetrags 2011 in Höhe von 1.880 EUR umgesetzt.

Praxistipp

Der Pauschbetrag wird auch dann in voller Höhe abgezogen, wenn nur während eines Teils des Kalenderjahres Arbeitslohn bezogen wird. Der Arbeitgeber kann bestimmte Werbungskosten (z.B. Reisekosten, Umzugskosten, Kosten einer doppelten Haushaltsführung) steuerfrei erstatten, trotzdem wird beim Lohnsteuerabzug und in der Einkommensteuer-Veranlagung der Arbeitnehmer-Pauschbetrag berücksichtigt. Werden alle Werbungskosten steuerfrei erstattet, wirkt der Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 920 EUR wie ein zusätzlicher Freibetrag. Hinzu kommt, dass der Arbeitgeber oftmals höhere Werbungskosten steuerfrei erstatten darf als der Arbeitnehmer beim Finanzamt geltend machen könnte. Wenn z.B. der Arbeitnehmer bei Dienstreisen übernachtet, darf der Arbeitgeber Pauschbeträge ansetzen, während der Arbeitnehmer seine tatsächlichen Aufwendungen einzeln nachweisen müsste ( R 9.7 Abs. 1 und 3 LStR ).
Allgemeine Grundsätze zum Pauschbetrag für Werbungskosten sind in R 9a EStR ausgeführt.
Ab 2005 wird bei den Versorgungsbezügen nicht mehr der Werbungskosten-Pauschbetrag von 920 EUR (ab 2011 1.000 EUR), sondern nur noch ein Pauschbetrag von 102 EUR berücksichtigt ( § 9a Nr. 1 Buchst. b EStG ). Zusätzlich erhalten Empfänger von Versorgungsbezügen neben dem Versorgungsfreibetrag ( § 19 Abs. 2 Satz 1 i.V.m. Satz 3 EStG ) einen Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag von 900 EUR (für 2005), der aber schrittweise bis 2040 abgebaut wird. Mit diesen Maßnahmen sollen die Besteuerung der Pensionen und Renten vereinheitlicht werden.
Der Steuerpflichtige, der Einnahmen aus nichtselbstständiger Arbeit erzielt, hat einen Rechtsanspruch auf den Ansatz des ungekürzten Arbeitnehmer-Pauschbetrages, selbst wenn feststeht, dass keine oder nur geringe Werbungskosten angefallen sind. Bei einem zwingenden gesetzlichen Pauschbetrag verbieten sich Überlegungen, ob im Einzelfall die Besteuerung vereinfacht wird oder nicht. Erzielt ein Steuerpflichtiger, z.B. ein als angestellter Assessor und als selbstständiger Rechtsanwalt tätiger Jurist sowohl Einnahmen aus selbstständiger als auch aus nichtselbstständiger Arbeit, so sind die durch diese Tätigkeiten veranlassten Aufwendungen den jeweiligen Einkunftsarten, gegebenenfalls nach einer im Schätzungswege vorzunehmenden Aufteilung der Aufwendungen, als Werbungskosten oder Betriebsausgaben zuzuordnen. Sind die Werbungskosten niedriger als der Arbeitnehmer-Pauschbetrag, so ist dieser in voller Höhe anzusetzen. Der Steuerpflichtige kann aber keine beliebige Bestimmung treffen und auf diese Weise neben dem Arbeitnehmer-Pauschbetrag sämtliche nachgewiesenen Aufwendungen als Betriebsausgaben geltend machen (BFH, 10.06.2008 - VIII R 76/05).
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