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Die Einträge im Lexikon sind veraltet.

Steuer-Lexikon

Doppelte Buchführung


  • Wesentliche Merkmale der doppelten Buchführung
    Das Wesen der doppelten Buchführung besteht in der Erfassung jedes Geschäftsvorfalles sowohl in seiner Vermögens- als auch in seiner Erfolgsauswirkung. Jeder Vorgang wird im Gegensatz zur einfachen Buchführung doppelt gebucht, nämlich einmal im Soll und einmal im Haben. Die Buchungen erfolgen sowohl chronologisch als auch sachlich und kontenmäßig.
    Dies führt zu einem Abschluss, in dem einerseits die Bilanz- und Bestandskonten die Vermögens- und Kapitalbestände ausweisen und andererseits die Konten der Gewinn- und Verlustrechnung die Erfolgskonten enthalten, aus denen die Erträge und Aufwendungen ersichtlich sind.
    Der Saldo aus der Gewinn- und Verlustrechnung (Gewinn oder Verlust) ist ein Unterkonto des Eigenkapitalkontos, wird hierüber abgeschlossen und fließt somit in die Bilanz ein.
    Die doppelte Buchführung ist also ein geschlossenes Kontensystem, das es ermöglicht, den Gewinn zweifach zu ermitteln:
    • als Saldo aus der Gewinn- und Verlustrechnung und
    • aus dem Betriebsvermögensvergleich (im Sinne des § 4 Abs. 1 EStG ).
  • System der doppelten Buchführung

    • Allgemeiner Ablauf
      Ausgehend von den Bilanzkonten der Bilanz zu Beginn eines Wirtschaftsjahres wird jeder laufende Geschäftsvorfall und jede Abschlussbuchung durch einen Buchungsvorgang erfasst. Jeder Buchung liegt ein Buchungssatz : Soll-Konto xxx EUR an Haben-Konto xxx EUR zugrunde. Sämtliche Buchungen sind zu belegen.
      Aus der Entwicklung aller Soll- und Haben-Konten entstehen die Bilanzkonten der Bilanz zum Ende des Wirtschaftsjahres. Da bei jeder Buchung der Betrag des Soll-Kontos (xxx EUR) dem des Haben-Kontos entspricht, muss systembedingt auch die Summe aller Aktiva der Summe aller Passiva einer Bilanz entsprechen.
    • Das geschlossene Kontensystem

      • Eröffnungsbilanz
        In der Bilanz zu Beginn eines Wirtschaftsjahres (Eröffnungsbilanz) ist auf der Aktiv-Seite das Anlage- und Umlaufvermögen, auf der Passiv-Seite das Eigen- und Fremdkapital eines Betriebes erfasst.
      • Aktiva
        Das Anlage- und Umlaufvermögen besteht aus einzelnen Sachkonten, auf denen die laufenden Geschäftsvorfälle und die Abschlussbuchungen (hier: insbesondere Abschreibungen und Ansatz der Inventurwerte) erfasst werden.
        Zu jedem Sachkonto werden der Anfangsbestand und alle Zugänge im Soll erfasst, alle Abgänge werden im Haben erfasst. Der sich hieraus ergebende Saldo ist der Endbestand und wird ebenfalls im Haben erfasst.
        Der Endbestand fließt in die Schlussbilanz.
      • Erfolgskonten
        Alle gewinnwirksamen Geschäftsvorfälle und Abschlussbuchungen werden über die Erfolgskonten gebucht. Alle Aufwendungen werden im Soll, alle Erlöse im Haben erfasst. Alle Erfolgskonten werden in der Gewinn- und Verlustrechnung zusammengefasst.
        Bei einem Überschuss der Aufwendungen über die Erlöse wird der Saldo (Verlust) im Haben erfasst. Dieser mindert das Eigenkapital.
        Ergibt sich ein Überschuss der Erlöse über die Aufwendungen wird der Saldo (Gewinn) im Soll erfasst. Dieser erhöht das Eigenkapital.
      • Passiva

        • Eigenkapital
          Der Anfangsbestand und alle Zugänge werden im Haben erfasst, alle Abgänge werden im Soll erfasst.
          Als Unterkonten des Eigenkapitals sind die Privatkonten zu erfassen (nur bei Einzel-Unternehmen und Personengesellschaften). Hier werden alle Entnahmen im Soll und alle Einlagen im Haben erfasst.
          Bei einem Überschuss der Entnahmen über die Einlagen wird der Saldo (Entnahmeüberschuss) im Haben erfasst. Dieser mindert das Eigenkapital.
          Ergibt sich ein Überschuss der Einlagen über die Entnahmen wird der Saldo (Einlageüberschuss) im Soll erfasst. Dieser erhöht das Eigenkapital.
          Bei der Ermittlung des Eigenkapitals wird zudem der Gewinn oder Verlust berücksichtigt (2.2.3). Der Endbestand des Eigenkapitals fließt in die Schlussbilanz.
        • Fremdkapital
          Das Fremdkapital besteht aus einzelnen Sachkonten, auf denen die laufenden Geschäftsvorfälle und die Abschlussbuchungen erfasst werden.
          Zu jedem Sachkonto werden der Anfangsbestand und alle Zugänge im Haben erfasst, alle Abgänge werden im Soll erfasst. Der sich hieraus ergebende Saldo ist der Endbestand und wird ebenfalls im Soll erfasst.
          Der Endbestand fließt in die Schlussbilanz.
      • Schlussbilanz
        In der Bilanz zum Ende eines Wirtschaftsjahres (Schlussbilanz) werden die Aktiva und Passiva wie folgt ausgewiesen:
        Die Endbestände aller Sachkonten des Anlage- und Umlaufvermögens werden auf der Aktiv-Seite der Schlussbilanz erfasst (2.2.2).
        Der positive Endbestand des Eigenkapitals (2.2.4.1) wird auf der Passiv-Seite der Schlussbilanz erfasst, der negative Endbestand des Eigenkapitals auf der Aktiv-Seite.
        Die Endbestände aller Fremdkapitalkonten werden auf der Passiv-Seite der Schlussbilanz erfasst.
        Im Rahmen des Jahresabschlusses sind zudem ggf. aktive oder passive Rechnungsabgrenzungsposten zu bilanzieren.
  • Beispiel zur Systematik der doppelten Buchführung
    Die vereinfachte Darstellung der Bilanz eines Einzelunternehmers zum 31.12.06 sieht wie folgt aus:
    Aktiva
    Passiva
    in EUR
    in EUR
    Grund und Boden
    50.000
    Kapital
    300.000
    Gebäude
    400.000
    Verbindlichkeiten
    200.000
    Fahrzeuge
    60.000
    Rückstellungen
    50.000
    Waren
    120.000
    sonstige Passiva
    250.000
    Bank
    30.000
    Kasse
    10.000
    sonstige Aktiva
    130.000
    ---------------
    ---------------
    800.000
    800.000
    Im Jahre 07 ereignen sich folgende Geschäftsvorfälle:
    1. a)
      Entnahmen Der Grund und Boden und das Gebäude werden zu Beginn des Jahres zum Teilwert von 600.000 EUR entnommen. Abschreibungen auf das Gebäude sind nicht zu buchen. Die Verbindlichkeiten stehen nicht im Zusammmenhang mit dem Grundstück. Buchungssatz:
      Privatentnahme
      600.000
      Grund und Boden
      50.000
      an
      Gebäude
      400.000
      Erträge
      150.000
    2. b)
      Einlage Der Unternehmer legt 5.000 EUR bar in die Kasse ein. Buchungssatz:
      Kasse
      5.000
      an
      Neueinlage
      5.000
    3. c)
      Wareneinkauf Der Unternehmer kauft am Ende des Jahres Waren für 10.000 EUR zzgl. 1.900 EUR USt ein. Zum 31.12.07 besteht eine entsprechende Schuld in Höhe von 11.900 EUR gegenüber dem Lieferanten. Buchungssatz:
      Wareneinkauf
        10.000
      an
      Verbindlichkeiten
      11.900
      Vorsteuer
         1.900
    4. d)
      Warenverkauf Es werden Waren für 20.000 EUR zzgl. 3.800 EUR USt verkauft. Das Geld wird im Jahr 07 auf das Betriebliche Bankkonto überwiesen. Buchungssatz:
      Bank
      23.800
      an
      Warenverkauf
      20.000
               USt
      3.800
      Im Rahmen des Jahresabschlusses sind folgende Sachverhalte zu berücksichtigen:
    5. e)
      Fahrzeuge Die Fahrzeuge sind mit 20.000 EUR abzuschreiben Buchungssatz:
      Afa
      20.000
      an
      Fahrzeuge
      20.000
    6. f)
      Waren Die Waren werden im Rahmen der Inventur zum 31.12.07 mit 125.000 EUR bewertet. Der Bestand erhöht sich somit um 5.000 EUR. Buchungssatz:
      Waren(bestand)
      5.000
      an
      Ertrag
      5.000
    7. g)
      Rückstellungen Die Rückstellungen sind um 10.000 EUR zu erhöhen. Buchungssatz:
      Aufwand
      10.000
      an
      Rückstellungen
      10.000
    Daraus ergibt sich folgende Gewinn- und Verlustrechnung für das Jahr 07:
    Gewinn und Verlustrechnung
    Aufwendungen
    in EUR
    Erträge
    in EUR
    c)  Wareneinkauf
    10.000
    a) Entnahme Grundstück
    150.000
    e)  Afa
    20.000
    d) Warenverkauf
    20.000
    g)  Rückstellungen
    10.000
    f) Warenbestand
    5.000
    Gewinn
    135.000
    -------------------
    -------------------
    175.000
    175.000
    In der Schlussbilanz werden hier in vereinfachter Darstellung die durch die Geschäftsvorfälle und Abschlussbuchungen verursachten Änderungen der Endbestände (vgl. Tz. 2.2.5), die üblicherweise im Rahmen der Sachkonten außerhalb der Schlussbilanz erfolgen, zusammengefasst.
    Das nunmehr negative Eigenkapital ist auf der Aktiv-Seite erfasst.
    Die Bilanz zum 31.12.2007 einschließlich Kapitalkontenentwicklung hat danach folgendes Bild:
    Aktiva
    Passiva
    in EUR
    in EUR
    in EUR
    in EUR
    525.700
    525.700
    Grund und Boden
    50.000
    Verbindlichkeiten
    200.000
    a)
    Abgang Entnahme
    - 50.000
    c)
    Wareneinkauf
    11.900
    0
    0
    211.900
    211.900
    a)
    Gebäude
    400.000
    Rückstellungen
    50.000
    Abgang Entnahme
    - 400.000
    g)
    Erhöhung
    10.000
    0
    0
    60.000
    60.000
    Fahrzeuge
    60.000
    sonstige Passiva
    250.000
    e)
    abzgl. AfA
    - 20.000
    d)
    USt
    3.800
    40.000
    40.0000
    253.800
    253.800
    Waren
    120.000
    f)
    Bestandserhöhung
    5.000
    125.000
    125.000
    Bank
    30.000
    d)
    Warenverkauf
    23.800
    53.800
    53.800
    Kasse
    10.000
    b)
    Bar-Einlage
    5.000
    15.000
    15.000
    sonstige Aktiva
    130.000
    c)
    Vorsteuer
    1.900
    131.900
    131.900
    Kapital
    Anfangsbestand
    300.000
    b)
    zzgl. Einlagen
    5.000
    a)
    abzgl. Entnahmen
    - 600.000
    zzgl. Gewinn
    135.000
    Endbestand
    - 160.000
    160.000
           
           
    Der Betriebsvermögensvergleich nach § 4 Abs. 1 EStG ermittelt sich wie folgt:
           Gewinn
    135.000
           Betriebsvermögen 31.12.07
    - 160.000
    abzgl. Betriebsvermögen 1.1.07
    - 300.000
    zzgl.  Entnahmen
    600.000
    abzgl. Einlagen
    - 5.000
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