Steuer-Lexikon

Handwerkerleistungen


  • Voraussetzungen der Steuerermäßigung
    Die Inanspruchnahme von Handwerkerleistungen ist ab 2006 begünstigt ( § 35a Abs. 3 EStG ). Handwerkerleistungen, die vor 2006 erbracht worden sind, können nicht - auch nicht als haushaltsnahe Dienstleistung - berücksichtigt werden (BFH, 01.02.2007 - VI R 77/05). Es können 20 Prozent der Aufwendungen bis zu einem Betrag von maximal 1.200 EUR im Jahr geltend gemacht werden. Dies gilt für alle handwerklichen Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsarbeiten am Haus, in der Wohnung (ggf. auch in der aus beruflichen oder privaten Gründen gehaltenen Zweitwohnung) und auf dem Grundstück. Voraussetzung ist, dass es sich nicht um Werbungskosten oder Betriebsausgaben z.B. bei einem vermieteten Objekt handelt.
    Von 2006 bis 2008 betrug der Höchstbetrag der Steuerermäßigung 600 EUR. Die Verdoppelung der Steuerermäßigung ist gem. § 52 Abs. 50b EStG erstmals ab dem VZ 2009 anwendbar.

    Praxistipp

    In der Fachliteratur kommen Stimmen auf, dass die Verdoppelung des Höchstbetrags bereits ab 2008 gelten soll, da über Art. 4 Abs. 1 des Gesetzes zur Umsetzung steuerrechtlicher Regelungen des Maßnahmenpakets " Beschäftigungssicherung durch Wachstumsstärkung " (Konjunkturprogramm I) eine besondere Anwendungsregelung zu § 35a EStG aufgenommen worden war (Anwendung am Tag nach der Verkündung des Gesetzes = 30.12.2008). Der Gesetzgeber wollte hiermit Kollisionen mit dem JStG 2009 und dem Familienleistungsgesetz vermeiden, hat aber für neue Irritationen gesorgt. Nach dem Willen des Gesetzgebers sollte die Neuregelung erst für den VZ 2009 gelten (BMF, 15.02.2010 - IV C 4 - S 2296-b/07/0003).
    Das Finanzgericht Münster mit Beschluss vom 11.12.2009 - 10 V 4132/09 E in einem Verfahren zum vorläufigen Rechtsschutz eine Entscheidung zu diesem Thema gefällt. Hiernach soll die Steuervergünstigung von maximal 1.200 EUR nicht schon für das Jahr 2008 gelten. Vielmehr sei insoweit lediglich der "alte" Höchstbetrag von 600 EUR maßgebend. Auch das FG Rheinland-Pfalz hat bestätigt, dass die Anhebung des Ermäßigungshöchstbetrags ( § 35a EStG ) für die Inanspruchnahme von Handwerkerleistungen auf 1.200 EUR erstmals für den Veranlagungszeitraum 2009 gilt (Urteil vom 26.01.2010 - 3 K 2002/09). Gegen dieses Urteil wurde Revision eingelegt, Az. beim BFH: VI R 65/10. Einsprüche, die sich auf das Revisionsverfahren stützen, ruhen nach § 363 Abs. 2 Satz 2 AO .
    Absetzbar sind nur die Arbeits- (incl. Fahrt- und Maschinenkosten), nicht aber die Materialkosten. Es sollte auf einen separaten Ausweis der Arbeits- und Materialkosten geachtet werden. Begünstigt ist der Bruttobetrag incl. Umsatzsteuer. Der Anteil der Arbeitskosten muss grundsätzlich in der Rechnung gesondert ausgewiesen sein. Bei Wartungsverträgen ist es nicht zu beanstanden, wenn der Anteil der Arbeitskosten, der sich auch pauschal aus einer Mischkalkulation ergeben kann, aus einer Anlage zur Rechnung hervorgeht. Ein gesonderter Ausweis der auf die Arbeitskosten entfallenden Mehrwertsteuer ist nicht erforderlich. Es reicht wohl aus, wenn der in einer Rechnung ausgewiesene Gesamtbetrag z.B. wie folgt ergänzt wird: Im Rechnungsbetrag sind Materialkosten - bzw. Arbeitskosten - in Höhe von .... enthalten. Doch die Finanzverwaltung wird skeptisch, wenn Gefälligkeitsrechnungen ausgestellt werden, d.h., wenn der Materialanteil erkennbar zu niedrig ausgewiesen wird (vgl. Kurz-Info der OFD Koblenz, 01.06.2006 - S 2296b A - St 32 3, DB 2006, 1652). Die Steuerermäßigung gilt für Eigentümer und für Mieter.
  • Nachweise
    Die Steuerermäßigung ist bis einschließlich VZ 2007 davon abhängig, dass der Steuerpflichtige die Aufwendungen durch Vorlage einer Rechnung und die Zahlung auf ein Konto des Erbringers der Leistung durch einen Beleg des Kreditinstituts nachweist ( § 35a Abs. 2 Satz 5 EStG VZ 2007 ). Die Zahlung auf das Konto des Erbringers der Leistung erfolgt in der Regel durch Überweisung. Beträge, für deren Begleichung ein Dauerauftrag eingerichtet worden ist oder die durch eine Einzugsermächtigung abgebucht oder im Wege des Online-Bankings überwiesen wurden, können in Verbindung mit dem Kontoauszug, der die Abbuchung ausweist, anerkannt werden. Dies gilt auch bei Übergabe eines Verrechnungsschecks oder der Teilnahme am Electronic-Cash-Verfahren oder am elektronischen Lastschriftverfahren. Ab 2008 ist es nicht mehr erforderlich, dass die Belege dem Finanzamt mit der Steuererklärung eingereicht werden. Sie müssen nur noch auf Anforderung vorgelegt werden.
    Das BMF hat im Schreiben vom 15.02.2010 - IV C 4 - S 2296-b/07/0003 zu haushaltsnahen Beschäftigungsverhältnissen und haushaltsnahen Dienstleistungen /Handwerkerleistungen gem. § 35a EStG Stellung genommen. Bei Wohnungseigentümern und Mietern ist erforderlich, dass die auf den einzelnen Wohnungseigentümer und Mieter entfallenden Aufwendungen für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse und Dienstleistungen sowie für Handwerkerleistungen in der Jahresabrechnung gesondert aufgeführt oder durch eine Bescheinigung des Verwalters oder Vermieters nachgewiesen sind. Ein Muster einer solchen Bescheinigung ist als Anlage 2 dem BMF-Schreiben vom 15.02.2010 beigefügt.
    Die Nachweiserfordernisse sind nicht erfüllt, wenn der Steuerpflichtige durch Vorlage eines Kontoauszugs belegt, dass die bar gezahlte Gegenleistung durch den Handwerker am Folgetag auf sein Geschäftskonto eingezahlt worden ist (FG Niedersachsen, 22.01.2008 - 13 K 330/07, EFG 2008, 1210). Barzahlungen können nicht anerkannt werden. Die Revision VI R 14/08 wurde vom BFH zurückgewiesen (BFH, 20.11.2008 - VI R 14/08, DStR 2009, 32). Barzahlungen können nach Verwaltungsauffassung auch nicht durch nachträgliche Überweisungen geheilt werden.

    Praxistipp

    Um von den Steuervorteilen für Handwerkerleistungen zu profitieren, muss die Rechnung nicht unbedingt vom Auftraggeber beglichen werden. Die Ermäßigung ist auch dann zu gewähren, wenn zum Beispiel die Eltern des betreffenden Steuerzahlers den Betrag zahlen (FG Sachsen, 18.09.2009 - 4 K 645/09).
  • Begünstigte Leistungen
    § 35a Abs. 3 EStG gilt für alle handwerklichen Tätigkeiten für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen, die in einem inländischen Haushalt des Steuerpflichtigen erbracht werden, unabhängig davon, ob es sich um regelmäßig vorzunehmende Renovierungsarbeiten oder kleine Ausbesserungsarbeiten handelt, die gewöhnlich durch Mitglieder des privaten Haushalts erledigt werden, oder um Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen, die im Regelfall nur von Fachkräften durchgeführt werden. Zu den handwerklichen Tätigkeiten zählen u.a.
    • Arbeiten an Innen- und Außenwänden
    • Arbeiten am Dach, an der Fassade, an Garagen o.ä,
    • Reparatur oder Austausch von Fenstern und Türen,
    • Streichen/Lackieren von Türen, Fenstern (innen und außen), Wandschränken, Heizkörpern und -rohren
    • Reparatur oder Austausch von Bodenbelägen (z. B. Teppichboden, Parkett, Fliesen)
    • Reparatur, Wartung oder Austausch von Heizungsanlagen, Elektro-, Gas- und Wasserinstallationen
    • Modernisierung oder Austausch der Einbauküche
    • Modernisierung des Badezimmers
    • Reparatur und Wartung von Gegenständen im Haushalt des Steuerpflichtigen (z.B. Waschmaschine, Geschirrspüler, Herd, Fernseher, Personalcomputer)
    • Maßnahmen der Gartengestaltung
    • Pflasterarbeiten auf dem Wohngrundstück.
    Auch Kontrollaufwendungen (z.B. Gebühr für den Schornsteinfeger oder für die Kontrolle von Blitzschutzanlagen) sind begünstigt. Das Gleiche gilt für handwerkliche Leistungen für Hausanschlüsse (z.B. Kabel für Strom oder Fernsehen), soweit die Aufwendungen die Zuleitungen zum Haus oder zur Wohnung betreffen und nicht im Rahmen einer Neubaumaßnahme anfallen; Aufwendungen im Zusammenhang mit Zuleitungen, die sich auf öffentlichen Grundstücken befinden, sind nicht begünstigt.
    Handwerkliche Tätigkeiten im Rahmen einer Neubaumaßnahme sind nicht begünstigt. Hierzu gehört z.B. der erstmalige Anbau eines Wintergartens. Das BMF-Schreiben vom 15.02.2010 - IV C 4 - S 2296-b/07/0003 enthält in der Anlage 1 eine Übersicht der begünstigten und nicht begünstigten Maßnahmen.
    Das beauftrage Unternehmen muss nicht in die Handwerksrolle eingetragen sein. Es ist auch unerheblich, ob der Auftragnehmer Umsatzsteuer in Rechnung stellt. Auch umsatzsteuerliche Kleinunternehmer können begünstigte Handwerkerleistungen erbringen.
    Die Anwendungsbereiche der Absätze 2 ( haushaltsnahe Dienstleistungen ) und 3 (Handwerkerleistungen) des § 35a EStG überschneiden sich nicht. Daher ist es nicht möglich, bei Überschreiten des Höchstbetrags der Steuerermäßigung nach § 35a Abs. 3 EStG (Handwerkerleistungen) insoweit einen noch nicht ausgeschöpften Höchstbetrag der Steuerermäßigung nach § 35a Abs. 2 EStG (haushaltsnahe Dienstleistungen) in Anspruch zu nehmen. Bei Maler- und Tapezierarbeiten handelt es sich z.B. nicht um hauswirtschaftliche Tätigkeiten, die als haushaltsnahe Dienstleistungen i.S.d. § 35a EStG begünstigt sind. Nach dem BFH-Urteil vom 06.05.2010, VI R 4/09, handelt es sich vielmehr um Handwerkerleistungen i.S.d. § 35a EStG . Ist der hierfür vorgesehene Höchstbetrag ausgeschöpft, können die restlichen Kosten somit nicht als haushaltsnahe Dienstleistungen geltend gemacht werden.
  • Terrasse/Stellplatz
    Begünstigt sind Arbeiten auf dem Grundstück für die Überdachung eines bereits vorhandenen Pkw-Stellplatzes oder einer bereits vorhandenen Terrasse. Nicht begünstigt ist die Neuerrichtung eines Pkw-Stellplatzes oder einer Terrasse einschließlich der Überdachung.
  • Renovierungsarbeiten des Rechtsnachfolgers
    Im Todesfall des Mieters tritt der Erbe als Rechtsnachfolger in die Rechte und Pflichten des Mietvertrags ein. In solchen Fällen kann unterstellt werden, dass der Erbe in der Wohnung des Vormieters bis zur endgültigen Abwicklung des Mietverhältnisses einen Haushalt unterhält. Die Kosten für die Renovierungsarbeiten sind demnach vom Erben steuerlich absetzbar, und zwar auch dann, wenn er nur mittelbarer Auftraggeber der Leistung ist, weil der Vermieter die Renovierung auf Kosten des Erben veranlasst.
  • Vorweggenommene Aufwendungen
    Aufwendungen für eine Gartengestaltung, die der Steuerpflichtige zeitlich deutlich vor seinem Einzug in sein Einfamilienhaus hat durchführen lassen, können nicht als - vorweggenommene - haushaltsnahe Dienstleistungen/Handwerkerleistungen gem. § 35a EStG steuerlich berücksichtigt werden, FG Münster, 21.05.2010 - 14 K 1141/08 E).
    Die Kläger erwarben im August 2006 ein bebautes Grundstück. Das hierauf befindliche Wohngebäude sollte abgerissen werden, um anschließend eines neues - zu eigenen Wohnzwecken zu nutzendes - Einfamilienhaus zu errichten. Die Verkäuferin konnte das Altgebäude noch bis Dezember 2006 selbst nutzen. Im November 2006 ließen die Kläger auf dem erworbenen Grundstück Gartenarbeiten durchführen. Abriss, Neubau und Einzug der Kläger erfolgten im Jahr 2007. In ihrer Einkommensteuererklärung für das Streitjahr 2006 machten die Kläger die Aufwendungen für die Gartenarbeiten als Steuerermäßigung gem. § 35a EStG geltend. Das Finanzamt lehnte dies ab. Das Finanzgericht schloss sich der Auffassung des Finanzamts an und führte aus, § 35a EStG setze grds. voraus, dass bereits zum Zeitpunkt der Durchführung der Maßnahmen ein Haushalt des Steuerpflichtigen in dem betreffenden Objekt begründet worden sein müsse. Vorweggenommene haushaltsnahe Dienstleistungen seien jedenfalls dann nicht steuerlich begünstigt, wenn eine erhebliche zeitliche Diskrepanz zwischen der Maßnahme und der Begründung des Haushalts durch Einzug liege.
  • KfW-Förderung
    Mit dem JStG 2007 wurde § 35a Abs. 2 Satz 2 EStG VZ 2007 (aktuell: § 35a Abs. 3 EStG ) dahingehend ergänzt, dass Maßnahmen, die bereits nach dem zum 01.04.2009 ausgelaufenen CO2-Gebäudesanierungsprogramm der KFW gefördert werden, nicht zu den begünstigten Handwerkerleistungen zählen.
    Nach dem CO2-Programm der KFW werden im Rahmen einer Finanzierungs- oder Zuschussvariante folgende Maßnahmen gefördert:
    • Version A: Energetische Sanierung von selbst genutzten oder vermieteten Wohngebäuden, die bis zum 31.12.1983 fertiggestellt wurden, auf Neubau-Niveau nach der EnEV oder besser oder
    • Version B: sog. Maßnahmenpakete bei Wohngebäuden, die bis zum 31.12.1994 fertiggestellt wurden.
    Zu beachten ist, dass nicht nur die eigentlichen Kosten zur Durchführung der Maßnahme begünstigt sind, sondern auch in diesem Zusammenhang stehenden Nebenkosten.
    Mit dem JStG 2010 hat der Gesetzgeber klargestellt, dass ab 2011 sämtliche öffentliche Förderungen zu einem Ausschluss der Steuerermäßigung nach § 35a EStG führen.
  • Keine doppelte Förderung
    Gemäß BFH-Urteil vom 29.07.2010 - VI R 60/09, können auch zusammen veranlagte Ehegatten die Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen nur einmal in Anspruch nehmen, selbst wenn sie mehrere Wohnungen nutzen.
  • Wohnung im Ausland
    Der Anwendungsbereich der Regelung des § 35a EStG wurde ab 2008 an das Gemeinschaftsrecht angepasst. Begünstigt sind ab 2008 innerhalb der Europäischen Union oder des EWR liegende Haushalte des Steuerpflichtigen. Diese Neuregelung ist nach § 52 Abs. 50b EStG in allen Fällen anzuwenden, in denen die Einkommensteuer noch nicht bestandskräftig festgesetzt ist. Damit sind z.B. bezüglich der Ferienwohnung auf Mallorca anfallende Aufwendungen begünstigt.
  • Verlustvortrag
    Die Steuerermäßigung gem. § 35a EStG geht verloren, wenn beim Steuerpflichtigen in dem Jahr, in dem die Dienstleistung erbracht wurde, keine Einkommensteuer anfällt. Der Bund der Steuerzahler wendet sich hiergegen. Er ist der Meinung, dass der Steuerpflichtige tatsächlich von der Steuerermäßigung profitieren müsse. Somit müsse auch der Rück- bzw. Vortrag des Steuerbonus in ein anderes Kalenderjahr möglich sein. Das FG Köln hat die Möglichkeit des Rück- bzw. Vortrages des Steuerbonus verneint (FG Köln, 14.08.2008 - 10 K 4217/07). Der BFH hat mit Urteil vom 29.01.2009 - VI R 44/08 das Urteil bestätigt und die Revision zurückgewiesen.
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