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Steuer-Lexikon

Kirchensteuer bei Pauschalierung der Lohnsteuer


Auch im Fall der Pauschalierung der Lohnsteuer nach den §§ 40 ff. EStG ist grundsätzlich Kirchensteuer zu erheben. Bemessungsgrundlage für die Kirchensteuer ist die pauschale Lohnsteuer. Ein Verzicht auf die Erhebung der Kirchensteuer ist aber möglich, wenn der Arbeitgeber nachweist, dass die betroffenen Arbeitnehmer ganz oder zum Teil keiner hebeberechtigten Kirche angehören (BFH, 30.11.1989 - I R 14/87, BStBl II 1990, 993).
Der Nachweis wird durch
  • die Vorlage einer Lohnsteuerkarte (auch im Falle des § 40a EStG ) oder
  • die Vorlage einer Bescheinigung des Arbeitnehmers, nach der er keiner hebeberechtigten Kirchenkörperschaft angehört,
geführt. Diese Bescheinigung ist zwingend nach amtlichem Muster vorzunehmen (vgl. dazu koordinierter Ländererlass vom 17.11.2006 - 3 - S 244.4/2, BStBl I 2006, 716).
Der Steuersatz für die pauschale Kirchen-Lohnsteuer ist in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich. Er beträgt zwischen 4 % und 7 %. Die Kürzung gegenüber dem Normalsteuersatz (9 % / 8 %) trägt dem Umstand Rechnung, dass möglicherweise nur ein Teil der Arbeitnehmer einer Kirche angehört.
Die so ermittelte pauschale Kirchensteuer wird ab 2007 von der Finanzverwaltung nach regional unterschiedlichen festen Schlüsseln in evangelische und katholische Kirchensteuer aufgeteilt. Bei Mini-Jobs (bis 400 EUR) wird eine einheitliche Pauschsteuer von 2 % erhoben. Hierin ist bereits eine pauschalierte Kirchensteuer enthalten ( § 40a Abs. 2 EStG ). Hat der einzelne Arbeitnehmer mehrere Mini-Jobs, die insgesamt die Summe von 400 EUR überschreiten, kann der einzelne Arbeitgeber pauschale Lohnsteuer von 20 % erheben ( § 40a Abs. 2a EStG ).
Ein Arbeitgeber im Land Brandenburg beschäftigt nur Aushilfskräfte, die bei anderen Arbeitgebern auch Mini-Jobs haben. Die Voraussetzungen für die Pauschalierung der Lohnsteuer nach § 40a Abs. 2a EStG liegen vor. Die im Monat Januar gezahlten Aushilfslöhne betragen 500 EUR.
Lösung
Der Arbeitgeber kann die Lohnsteuer nach § 40a Abs. 2a EStG mit 20 % pauschalieren = 100 EUR. Der Steuersatz für die pauschalierte Lohnkirchensteuer beträgt im Land Brandenburg 5 %, die zu erhebende Lohnkirchensteuer somit 5 EUR. Dieser Betrag entfällt zu 70 % = 3,50 EUR auf die ev. Lohnkirchensteuer und zu 30 % = 1,50 EUR auf die rk. Lohnkirchensteuer. Diese Aufteilung muss aber seit 2007 nicht mehr vom Arbeitgeber vorgenommen werden.
Macht der Arbeitgeber von seinem Recht Gebrauch, nachzuweisen, dass einzelne Arbeitnehmer keiner hebeberechtigten Kirche angehören, ergeben sich für die Pauschalierung der Kirchensteuer ab 2000 folgende Auswirkungen (koordinierter Ländererlass vom 17.11.2006 - 3 - S 244.4/2, BStBl I 2006, 716):
1. Pauschalierung bei Aushilfs- und Teilzeitbeschäftigten ( § 40a EStG )
- Nicht Kirchenmitglieder:
keine pauschale Kirchensteuer
- übrige Arbeitnehmer:
normaler Kirchensteuersatz (vgl. - Kirchensteuer )
2. Pauschalierung in besonderen Fällen und bei Zukunftssicherungsleistung ( § 40 ,
40b EStG )
- Nicht Kirchenmitglieder:
keine pauschale Kirchensteuer
- übrige Arbeitnehmer:
normaler Kirchensteuersatz (8 %/9 %)
Bis 2006 war die mit dem ermäßigten Kirchensteuersatz im vereinfachten Verfahren pauschalierte Kirchensteuer nach einem fest vorgegebenen prozentualen Verteilungsschlüssel auf die Kirchen aufzuteilen. Diese prozentuale Aufteilung durch den Arbeitgeber ist ab 2007 weggefallen, weil die im vereinfachten Verfahren ermittelte pauschale Kirchensteuer in eine besondere Zeile der Lohnsteuer-Anmeldung (= Zeile 24, Kennzahl 47) eingetragen werden kann und das Finanzamt aufgrund dieser Eintragung die Aufteilung der pauschalen Kirchensteuer auf die erhebungsberechtigten Religionsgemeinschaften vornimmt.
Die Höhe der Pauschalkirchensteuer mit Einzelheiten für die jeweiligen Bundesländer ergibt sich aus der folgenden Übersicht:
Bundesland / Kirchenkörperschaft
Pauschalkirchensteuer
Baden Württemberg
evangel. Landeskirche Baden
6,5
evangel. Landeskirche Württemberg
6,5
Erzbistum Freiburg
6,5
Bistum Rottenburg-Stuttgart
6,5
altkath. Kirche
6,5
israel. Religionsgemeinschaft
6,5
freirelig. Landesgemeinde Baden
6,5
Bayern
evangel. Luth. Kirche Bayern
7,0
Diözese Augsburg
7,0
Diözese Bamberg
7,0
Diözese Eichstätt
7,0
Diözese München-Freising
7,0
Diözese Passau
7,0
Diözese Regensburg
7,0
Diözese Würzburg
7,0
altkath. Kirche
7,0
Landesverb. D. isr. Kultusgem
7,0
Berlin
ev. Kirche Berlin-Brandenburg
5,0
Erzbistum Berlin
5,0
Hugenottenkirche
---
jüdische Gemeinde
---
altkatholische Kirche
5,0
Brandenburg
ev. Kirche Berlin-Brandenburg
5,0
ev. Kirche schles. Oberlausitz
5,0
ev.-luth. Landesk. Mecklenburg
5,0
pommersche evang. Kirche
5,0
ev. Kirche Kirchenprovinz Sachsen
5,0
röm.-kath. Erzbistum Berlin
5,0
röm.-kath. Erzbistum Görlitz
5,0
röm.-kath. Bistum Magdeburg
5,0
Bremen
bremisch evang. Kirche
7,0
evang.-ref. Kirchengemeinde
7,0
kath. Kirchengemeinden
7,0
israel. Gemeinde
--
Bremerhaven
evangel.-luth. Gesamtverband
7,0
evang.-ref. Kirchengemeinde
7,0
kath. Kirchengemeinden
7,0
vereinigt. protest. Gemeinde
7,0
Hamburg
nordelb. evang.-luth. Kirche
4,0
evang..-luth. Landesk. Hannover
4,0
röm.-kath. Erzbistum Hamburg
4,0
evang.-ref. Kirche
---
Mennonitengemeinde Hamburg Altona
---
Hessen
evang. Kirche Hessen / Nassau
7,0
evang. Kirche Kurhessen-Waldeck
7,0
evang. Kirche Rheinland
7,0
Diözese Fulda
7,0
Diözese Limburg
7,0
Diözese Mainz
7,0
Erzdiözese Paderborn
7,0
altkath. Kirche
--
freirelig. Gem. Mainz/Offenbach
--
jüdische Gemeinde Frankfurt/M.
--
jüdische Gemeinden Bad Nauheim, Darmstadt, Gießen, Kassel, Offenbach
--
Mecklenburg-Vorpommern
evang.-luth. Landesk. Mecklenburg
5,0
evang. Kirche Berlin-Brandenburg
5,0
pommersche evang. Kirche
5,0
röm.-kath. Erzbistum Hamburg
5,0
röm.-kath. Erzbistum Berlin
5,0
Niedersachsen
ev.-luth. Landesk. Braunschweig
6,0
ev.-luth. Landeskirche Hannover
6,0
ev.-luth. Kirche Oldenburg
6,0
ev.-luth. Landesk. Schaumburg-Lippe
6,0
ev.-ref. Kirche
6,0
Diözese Hildesheim
6,0
Diözese Münster
6,0
Diözese Osnabrück
6,0
Erzdiözese Paderborn
6,0
altkath. Kirche
6,0
Nordrhein-Westfalen
evang. Kirche Rheinland
7,0
evang. Kirche Westfalen
7,0
lipische. Landeskirche
7,0
Erzdiözese Köln
7,0
Erzdiözese Paderborn
7,0
Diözese Aachen
7,0
Diözese Essen
7,0
Diözese Münster
7,0
altkath. Kirche
7,0
jüdische Kultusgem. Westfalen
7,0
Rheinland-Pfalz
evang. Kirche Hessen / Nassau
7,0
evang. Kirche Pfalz
7,0
evang. Kirche Rheinland
7,0
Erzdiözese Köln
7,0
Diözese Limburg
7,0
Diözese Mainz
7,0
Diözese Speyer
7,0
Diözese Trier
7,0
altkath. Kirche
--
freireligiöse Gemeinde Mainz
--
freireligiöse Landesgem. Pfalz
--
jüdische Kultusgemeinden Koblenz
--
Religionsgem. Freie Protestanten
--
Saarland
evang. Kirche Pfalz
7,0
evang. Kirche Rheinland
7,0
Diözese Speyer
7,0
Diözese Trier
7,0
altkath. Kirche
--
Synagogengemeinde Saar
--
Sachsen
ev.-luth. Landeskirche Sachsen
5,0
ev. Kirche schles. Oberlausitz
5,0
ev. Kirche Kirchenprovinz Sachsen
5,0
ev.-luth. Kirche Thüringen
5,0
ev. Kirche Berlin-Brandenburg
5,0
röm.-kath. Bistum Dresden/Meissen
5,0
röm.-kath. Bistum Görlitz
5,0
röm.-kath. Bistum Magdeburg
5,0
Sachsen-Anhalt
evang. Landeskirche Anhalt
5,0
ev. Kirche Kirchenprovinz Sachsen
5,0
ev.-luth. Landesk. Braunschweig
5,0
ev.-luth. Landeskirche Sachsen
5,0
ev. Kirche Berlin-Brandenburg
5,0
ev.-luth. Kirche Thüringen
5,0
röm.-kath. Erzbistum Berlin
5,0
röm.-kath. Bistum Magdeburg
5,0
Schleswig-Holstein
nordelb. evang.-luth. Kirche
6,0
röm.-kath. Erzbistum Hamburg
6,0
evang.-ref. Kirche Lübeck
--
Thüringen
ev.-luth. Kirche Thüringen
5,0
ev. Kirche Kirchenprovinz Sachsen
5,0
ev.-luth. Landeskirche Sachsen
5,0
ev. Kirche Kurhessen-Waldeck
5,0
röm.-kath. Bistum Erfurt
5,0
röm.-kath. Bistum Dresden/Meissen
5,0
röm.-kath. Diözese Fulda
5,0
Lässt sich nicht eindeutig feststellen, wie viel der Bemessungsgrundlage für die pauschale Kirchensteuer (pauschale Lohnsteuer) jeweils auf die Kirchenmitglieder und -nichtmitglieder entfällt, kann die pauschale Lohnsteuer aus Vereinfachungsgründen nach Köpfen auf die beiden Gruppen aufgeteilt werden.
Arbeitgeber Redlich mit Sitz in Nordrhein-Westfalen beschäftigt im Juli 10 Aushilfen. Die Voraussetzungen für eine Pauschalierung der Arbeitslöhne von insgesamt 2.500 EUR gemäß § 40a Abs. 2a EStG liegen vor. Drei der Arbeitnehmer haben Redlich schriftlich bestätigt, dass sie keiner Religionsgemeinschaft angehören.
Lösung:
Die pauschale Lohnsteuer beträgt 20 % von 2.500 EUR = 500 EUR. Die pauschale Kirchensteuer beträgt grundsätzlich 7 % von 500 EUR. Da Redlich jedoch für einen Teil der Arbeitnehmer den Nachweis geführt hat, dass sie keiner Religionsgemeinschaft angehören, ist die Kirchensteuer mit 9 % (normaler Kirchensteuersatz) für die übrigen Arbeitnehmer wie folgt zu berechnen: Auf Kirchenmitglieder entfallen 7/10 von 500 EUR = 350 EUR. Kirchensteuer: 9 % von 350 EUR = 31,50 EUR.
Die Finanzverwaltung sieht eine Erhebung der Kirchensteuer mit dem Regelsatz von 8 % bzw. 9 % vor, wenn der Arbeitgeber für einzelne Arbeitnehmer die Nichtzugehörigkeit zu einer hebeberechtigten Kirche nachweist.
WoltersKluwer