Hinweis

Die Einträge im Lexikon sind veraltet.

Steuer-Lexikon

Rechnung - Anzahlung


Häufig werden von Kunden Anzahlungen oder Vorauszahlungen auf noch zu erbringende Leistungen gefordert. Diese Beträge sind bei Zahlung durch den Kunden seitens des Unternehmers der Umsatzsteuer zu unterwerfen ( § 13 Abs. 1 Nr. 1 UStG ). Auch über diese Forderungen kann der Unternehmer durch eine entsprechende Rechnung gegenüber seinem Kunden abrechnen, um diesem den Vorsteuerabzug aus dem gezahlten Betrag zu ermöglichen. Wichtig ist dabei, dass aus der Rechnung eindeutig hervorgeht, dass es sich um eine Vorausrechnung handelt. Dies lässt sich in der Praxis ohne Schwierigkeiten durch Angabe eines in der Zukunft liegenden Zeitpunkts der Leistung sicherstellen.
Eine Besteuerung auf Grund dieser Rechnung tritt für alle Unternehmer erst im Zeitpunkt der Zahlung ein. Insoweit decken sich Besteuerung und der Anspruch auf Vorsteuerabzug, der in diesen Fällen auch erst bei Zahlung entsteht. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Vorauszahlung bereits den vollen Preis der Leistung umfasst oder nur eine Teilzahlung angefordert wird. Wird die Vorauszahlung endgültig nicht geleistet, entsteht für den die Rechnung ausstellenden Unternehmer ausnahmsweise keine Steuer wegen unberechtigten Steuerausweises ( § 14 Abs. 3 UStG ).
Unberechtigter Steuerausweis
Zahlt der Kunde nur einen Teil der geforderten Vorauszahlung, entsteht auch nur in Höhe des tatsächlich gezahlten Betrages Umsatzsteuer beim Unternehmer. Eine Berichtigung der Rechnung ist in diesen Fällen nicht erforderlich.
Schwierigkeiten treten in der Praxis häufig bei Erstellung der Schlussrechnung auf. In dieser sind die vor Ausführung der Leistung vereinnahmten Teilentgelte und die auf sie entfallenden Steuerbeträge abzusetzen, soweit in früheren Vorausrechnungen entsprechende Steuerbeträge offen ausgewiesen worden sind. Die Form dieser Abgrenzung ist dem Unternehmer grundsätzlich freigestellt. Die verschiedenen Möglichkeiten sollen anhand des folgenden Beispiels dargestellt werden:
Erstellung eines Bürogebäudes in der Zeit von Januar 2007 bis Februar 2008, Fertigstellung und Übergabe 28.02.2008. Baukosten 2.000.000 EUR netto zuzüglich 19 % Umsatzsteuer, Vorauszahlungen am 01.03.2007, 01.07.2007, 01.10.2007 jeweils 25 % der Gesamtsumme, am 01.01.2008 10 %, Restzahlung bei Übergabe. Zu jeder Anzahlung wird eine entsprechende Rechnung erstellt. Die Schlussrechnung kann wie folgt erstellt werden.
Möglichkeit 1
Gesamtbetrag
2.380.000 EUR
Nettobetrag
2.000.000 EUR
Umsatzsteuer
380.000 EUR
--------------
geleistete Anzahlungen
Datum
Netto
19 % USt
Summe
Summe
1.700.000 EUR
323.000 EUR
2.023.000 EUR
01.03.2007
500.000 EUR
95.000 EUR
595.000 EUR
01.07.2007
500.000 EUR
95.000 EUR
595.000 EUR
01.10.2007
500.000 EUR
95.000 EUR
595.000 EUR
01.01.2008
200.000 EUR
38.000 EUR
238.000 EUR
 ------------
 --------------------
 ------------
Möglichkeit 2
Netto
19 % USt
Summe
Restzahlung
300.000 EUR
57.000 EUR
357.000 EUR
Bürogebäude
2.000.000 EUR
380.000 EUR
2.380.000 EUR
abzüglich geleistete Anzahlungen:
01.03.2007
500.000 EUR
95.000 EUR
595.000 EUR
01.07.2007
500.000 EUR
95.000 EUR
595.000 EUR
01.10.2007
500.000 EUR
95.000 EUR
595.000 EUR
01.01.2008
200.000 EUR
38.000 EUR
238.000 EUR
-----------
------------
------------
Möglichkeit 3
Netto
19 % USt
Summe
Restzahlung
300.000 EUR
57.000 EUR
357.000 EUR
Bürogebäude
2.000.000 EUR
380.000 EUR
2.380.000 EUR
abzüglich geleistete Anzahlungen am 01.03.07, 01.07.07, 01.10.07, 01.01.08:
insgesamt
1.700.000 EUR
323.000 EUR
2.023.000 EUR
------------
-----------
------------
Möglichkeit 4
Restzahlung
357.000 EUR
darin enthaltene Umsatzsteuer
57.000 EUR
in den Abschlagszahlungen enthaltene Umsatzsteuer
323.000 EUR
Nettobetrag
2.000.000 EUR
Umsatzsteuer
380.000 EUR
--------------------
Gesamtbetrag
2.380.000 EUR
abzüglich geleistete Anzahlungen am 01.03.07, 01.07.07, 01.10.07, 01.01.08:
1.972.000 EUR
----------------------
Möglichkeit 5
Summe
357.000 EUR
Nettobetrag
2.000.000 EUR
abzüglich Anzahlungen netto
1.700.000 EUR
---------------------
Restzahlung
300.000 EUR
19 % Umsatzsteuer
57.000 EUR
---------------------
Möglichkeit 6
Der Bauunternehmer stellt eine Rechnung im Januar 2007 über den Gesamtbetrag der Baukosten und die anfallende Umsatzsteuer aus. Rechnungen über Anzahlungen oder eine Schlussrechnung ergehen nicht mehr.
Möglichkeit 7
Die erhaltenen Abschlagszahlungen und die darauf entfallende Umsatzsteuer werden in einer Anlage zur Rechnung einzeln dargestellt, allerdings muss auf diese Anlage in der Rechnung hingewiesen werden.
Unabhängig von der jeweiligen Gestaltung der Rechnungen ergibt sich für die Beteiligten in allen Fällen das gleiche Ergebnis hinsichtlich der zeitlichen Versteuerung der Umsätze und des Vorsteuerabzugs.
Unterbleibt in der Schlussrechnung der Ausweis der erhaltenen Anzahlungen ganz oder teilweise, obwohl für diese ebenfalls Rechnungen ausgestellt worden sind, schuldet der Rechnungsaussteller den Teil der Umsatzsteuer, der bereits in früheren Rechnungen ausgewiesen wurde und nicht abgesetzt worden ist, nach § 14 Abs. 2 UStG . Der Vorsteuerabzug des Rechnungsempfängers erhöht sich dadurch aber nicht, er bleibt nur auf die Höhe der Umsatzsteuer aus der Restzahlung begrenzt.
Unrichtiger Steuerausweis
Wird ein solcher Sachverhalt erst später durch eine Umsatzsteuersonderprüfung oder Betriebsprüfung entdeckt, werden grundsätzlich Nachzahlungszinsen nach § 233a AO fällig, eine zulässige Rechnungsberichtigung ist nicht mit Wirkung für die Vergangenheit möglich.
Nach dem Schreiben des BMF (BMF, 01.04.1996 - IV a 4 - S 460a - 20/96, BStBl I 1996, 370) ist in diesen Fällen von der Erhebung von Nachzahlungszinsen abzusehen, wenn durch den Unternehmer unmittelbar nach Feststellung des Fehlers eine berichtigte Schlussrechnung erteilt wird.
WoltersKluwer