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Steuer-Lexikon

Spekulationsgeschäft - Fremdwährung


Zu den Wirtschaftsgütern, die Gegenstand eines privaten Veräußerungsgeschäfts sein können, gehören auch Geldbestände in fremder Währung. Das Fremdwährungsguthaben ist ein selbstständiges Wirtschaftsgut (BFH, 02.05.2000 - IX R 74/96, BStBl II 2000, 614). Werden Euro in eine Fremdwährung umgetauscht, wird damit das Wirtschaftsgut "Fremdwährungsguthaben" angeschafft. Der Rücktausch dieses Fremdwährungsguthabens in Euro sowie der Umtausch dieses Guthabens in eine andere Fremdwährung innerhalb eines Jahres nach der Anschaffung sind private Veräußerungsgeschäfte i.S.d. § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG . Die in der Zwischenzeit in der Fremdwährung angefallenen Zinsen führen beim Umtausch nicht zu einem privaten Veräußerungsgeschäft im Sinne von § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG , da sie nicht angeschafft wurden, sondern zugeflossen sind.
Wird ein bestehendes Fremdwährungsguthaben zur Anschaffung anderer Wirtschaftsgüter verwendet (z.B. Kauf von Aktien), ist dies eine Veräußerung des Wirtschaftsguts "Fremdwährung" und eine Anschaffung des anderen Wirtschaftsguts. Die Anschaffung dieses anderen Wirtschaftsguts innerhalb eines Jahres nach der Anschaffung der Fremdwährung führt zu einem privaten Veräußerungsgeschäft i.S.d. § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG . Für die Ermittlung des Veräußerungsgewinns oder -verlusts ist der Wert des erworbenen Wirtschaftsguts im Zeitpunkt des Erwerbs in EUR (bzw. früher DM) als Veräußerungserlös anzusetzen. Als Anschaffungskosten gilt der Umtauschbetrag in Euro, der zur Anschaffung des Fremdwährungsguthabens aufgewendet wurde.
A erwirbt am 22. Januar 2001 10.000 US-Dollar zum Kurs von 0,88 EUR. Das Fremdwährungsguthaben wird zunächst als Festgeld bei der X-Bank angelegt. Am 1. Juni 2001 erwirbt A 100 Aktien der B-Inc. zum Preis von 25 US-Dollar je Aktie. Zum Kauf dieser Aktien werden 2.500 US-Dollar des bestehenden Fremdwährungsguthabens eingesetzt. Der Kurs des US-Dollar zum Zeitpunkt der Einbuchung der Aktien in sein Depot beträgt 0,95 EUR. Am 1. Oktober 2001 werden die Aktien der B-Inc. zum Preis von jeweils 30 US-Dollar veräußert. Der Veräußerungserlös wird wieder dem Fremdwährungsguthaben bei der X-Bank zugeführt. Der Kurs des US-Dollar im Zeitpunkt der Gutschrift des Veräußerungserlöses beträgt 0,92 EUR. Mit dem Kauf der B-Aktien wird das bestehende Fremdwährungsguthaben in Höhe von 2.500 US-Dollar veräußert. Der dabei erzielte Veräußerungsgewinn ist nach § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG steuerpflichtig. Der Veräußerungsgewinn beträgt (0,95 EUR/Dollar - 0,88 EUR/Dollar) x 2.500 Dollar = 175 EUR. Mit dem Kauf und Verkauf der B-Aktien innerhalb eines Jahres wird ebenfalls ein privates Veräußerungsgeschäft i.S. des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG getätigt. Bei der Ermittlung des Veräußerungsgewinns- oder -verlusts sind sowohl die Anschaffungskosten als auch der Veräußerungserlös zum jeweiligen Zeitpunkt von der Fremdwährung in die Eigenwährung umzurechnen. Der Veräußerungsgewinn i.S. des § 23 Abs. 3 Satz 1 EStG beträgt 100 x 30 Dollar x 0,92 EUR/Dollar - 100 x 25 Dollar x 0,95 EUR/Dollar = 385 EUR. Bei der Anwendung des Halbeinkünfteverfahrens ergibt sich ein steuerpflichtiger Veräußerungsgewinn von 192 EUR. Durch den Verkauf der B-Aktien werden am 1. Oktober 01 3.000 US-Dollar zum Kaufpreis von (3.000 Dollar x 0,92 EUR/Dollar =) 2.760 EUR angeschafft.

Praxistipp

Die Begründung einer Forderung in Fremdwährung (z.B. Darlehnsvergabe, Festgeldanlage) und anschließende Einlösung dieser Forderung ist kein privates Veräußerungsgeschäft i.S. des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG , wenn das Fremdwährungsguthaben nicht in Euro oder eine andere Währung umgetauscht wird (BFH, 02.05.2000 - IX R 74/96, BStBl II 2000, 614). Auch die Rückzahlung eines Fremdwährungsdarlehns innerhalb eines Jahres seit Abschluss des Darlehnsvertrages führt nicht zu einem steuerpflichtigen privaten Veräußerungsgewinn i.S.d. § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG .
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