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Steuer-Lexikon

Stille Gesellschaft


  • Allgemeines
    Einkünfte aus der Beteiligung an einem Handelsgewerbe als stiller Gesellschafter gehören zu den Einkünften aus Kapitalvermögen. Voraussetzung ist, dass es sich um eine typische stille Gesellschaft handelt, bei der der Gesellschafter nicht, wie bei der atypischen stillen Gesellschaft, als Mitunternehmer anzusehen ist, der Einkünfte aus Gewerbebetrieb ( § 15 Abs. 1 Nr. 2 EStG ) erzielt. Zu einer atypischen stillen Gesellschaft kommt es in aller Regel, wenn der stille Gesellschafter neben einer Beteiligung am Gewinn auch am Vermögen des Handelsgewerbes, insbesondere an den stillen Reserven und dem Geschäftswert beteiligt wird.
    Die stille Gesellschaft ist nach §§ 230 - 237 HGB die Beteiligung an einem Handelsgewerbe mit einer Vermögenseinlage. Die Verzinsung der Vermögenseinlage besteht in der Regel in einem bestimmten Anteil am Gewinn.

    Praxistipp

    Soll bei einer stillen Beteiligung nicht nur eine Gewinnbeteiligung erfolgen, sondern auch eine Beteiligung am Verlust, muss dies im Vertrag über die stille Gesellschaft ausdrücklich geregelt sein. Die gesetzlichen Bestimmungen zur stillen Gesellschaft im HGB (s.o.) sehen eine Verlustbeteiligung nämlich nicht automatisch vor.
  • Zufluss der Einnahmen
    Für die stille Gesellschaft gilt das Zuflussprinzip des § 11 EStG . Der Gewinnanteil ist somit in dem Jahr als Kapitaleinkünfte zu erfassen, in dem tatsächlich ausgezahlt wird, bzw. auf dem Konto des stillen Gesellschafters gutgeschrieben wird.
    Werden schon im laufenden Jahr Abschlagszahlungen auf den künftigen Gewinnanteil geleistet, so liegen bereits bei Zufluss der Abschlagszahlungen Einkünfte aus Kapitalvermögen vor. Stellt sich heraus, dass die Abschläge überhöht waren und werden sie daher ganz oder zum Teil zurückgezahlt, sind die Rückzahlungen als negative Einnahmen (nicht Werbungskosten) zu behandeln.
  • Verlustanteil
    Der Verlustanteil des stillen Gesellschafters gehört zu den Werbungskosten bei den Einkünften aus Kapitalvermögen. Wird durch den Verlust die Einlage des stillen Gesellschafters gemindert, können die Werbungskosten in dem Jahr berücksichtigt werden, in dem der Jahresabschluss für das Verlustjahr festgestellt wird (BFH, 10.11.1987 - VIII R 53/84, BStBl II 1988, 186). Deckt dagegen der stille Gesellschafter den Verlust durch eine zusätzliche Zahlung ab, um eine Minderung der Einlage zu verhindern, liegen Werbungskosten im Zeitpunkt der Zahlung vor.
    Der Verlust der Einlage des stillen Gesellschafters z.B. durch Konkurs des Handelsunternehmens führt dagegen nicht zu Werbungskosten, sondern einem steuerlich nicht berücksichtigungsfähigen Verlust auf der Vermögensebene.

    Praxistipp

    Gesellschafter von Kapitalgesellschaften, die ständig mit Verlust arbeiten, können über die Vereinbarung einer stillen Gesellschaft mit Verlustbeteiligung die Verluste aus der Gesellschaft zumindest teilweise in ihre eigenen Einkommensteuer-Erklärung herüberziehen und steuerlich nutzbar machen. Statt der Gesellschaft die notwendigen notwendigen Mittel zur Deckung der Verluste durch Kapitalerhöhungen oder Gesellschafterdarlehn zuzuführen, wird eine Vermögenseinlage als stiller Gesellschafter mit gleichzeitiger Verlustbeteiligung vereinbart. Der Verlustanteil kann nunmehr als Werbungskosten aus Kapitalvermögen abgesetzt und mit den übrigen Einkünften des Gesellschafters verrechnet werden.
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