Hinweis

Die Einträge im Lexikon sind veraltet.

Steuer-Lexikon

Verlustabzug


  • Rechtslage ab 2004
    Negative Einkünfte, die im Verlustentstehungsjahr nicht mit positiven Einkünften ausgeglichen werden können, können in den vorangegangenen Veranlagungszeitraum zurückgetragen und dort mit positiven Einkünften verrechnet werden. Ab dem Veranlagungszeitraum 2004 ist der Verlustrücktrag zwar weiterhin insgesamt auf einen Betrag von 511.500 EUR, bei zusammenveranlagten Ehegatten von 1.023.000 EUR, beschränkt. Wegen der Änderungen beim Verlustausgleich (vgl. dort) ergibt sich jedoch eine wesentliche Vereinfachung beim Verlustrücktrag (erstmals für das Verlustentstehungsjahr 2004).
    Können Verluste weder in dem Veranlagungszeitraum, in dem sie entstanden sind noch in dem vorhergehenden Jahr von positiven Einkünften abgezogen werden, mindern diese in den folgenden Veranlagungszeiträumen die zu versteuernden Einkünfte (Verlustvortrag). Ab dem Veranlagungszeitraum 2004 können vorgetragene Verluste bis zu einem Betrag von 1.000.000 EUR (bei zusammenveranlagten Ehegatten 2.000.000 EUR) von den positiven Einkünften abgezogen werden. Der verbleibende Betrag an positiven Einkünften kann bis zu 60 % um vorgetragene Verluste gemindert werden. Bisher konnten vorgetragene Verluste zumindest von positiven Einkünften derselben Einkunftsart unbeschränkt abgezogen werden.
    Willi Winzig hat in 2003 einen Verlust aus Gewerbebetrieb in Höhe von 1.200.000 EUR erwirtschaftet. In 2004 hat er in gleicher Höhe einen Gewinn erzielt.
    Obwohl sich die beiden Jahre ausgleichen, muss er 2004 Steuern zahlen.
    Berechnung:
    steuerpflichtige Einkünfte 80.000 EUR
    Positive Einkünfte aus Gewerbebetrieb 2004 1.200.000 EUR
    abzüglich Verlustvortrag aus 2003 in unbegrenzter Höhe 1.000.000 EUR
    verbleiben 200.000 EUR
    abzüglich Verlustvortrag in Höhe von 60 % der verbleibenden Einkünfte 120.000 EUR
    Die nicht ausgenutzten Verluste in Höhe von 80.000 EUR kann Willi Winzig in den folgenden Jahren nutzen.
  • Rechtslage von 1999 bis 2003

    • Übergangsregelung (§ 52 Abs. 25 EStG)
      Für den zum 31.12.1998 festgestellten Verlustabzug gilt weiterhin § 10d EStG in seiner bisherigen Fassung. Die Verrechnung erfolgt somit nach Sonderausgaben, außergewöhnlichen Belastungen und Wohneigentumsförderung. Außerdem unterliegt der (Alt-) Verlustvortrag nicht den Abzugsbeschränkungen des § 10d EStG.
      Damit wird u.a. dem Problem Rechnung getragen, dass vielfach nur unter erheblichem Aufwand festzustellen gewesen wäre, aus welchen Einkunftsarten sich der Verlustvortrag aus Jahren vor 1999 zusammensetzt.
  • Verlustabzug und Erbfall
    Die Möglichkeit zum Verlustabzug kann durch Rechtsgeschäft unter Lebenden nicht übertragen werden. Somit ist eine Übertragung z.B. bei einer entgeltlichen oder unentgeltlichen Betriebsübertragung, einer vorweggenommenen Erbfolge oder bei einer Einbringung eines Betriebes in eine Kapitalgesellschaft nicht möglich.
    Da nach § 1922 BGB der Erbe als Gesamtrechtsnachfolger in die Rechtsposition der Erblassers eintritt, kann dieser auch nicht ausgeglichene Verluste des Erblassers im Wege des Verlustausgleichs und Verlustabzugs beanspruchen (BFH, 22.06.1962 - VI 49/61 S, BStBl III, 386).
    Folgende Fälle sind für die Abzugsreihenfolge von vererbten Verlusten zu unterscheiden:
    1. 1.
      Der Erblasser verstirbt im Verlustentstehungsjahr
      • Verlustausgleich beim Erblasser
      • Verlustrücktrag beim Erblasser
      • Verlustausgleich beim Erben im Todesjahr
      • Verlustrücktrag beim Erben
      • Verlustvortrag beim Erben
    2. 2.
      Der Erblasser verstirbt im Verlustvortragsjahr
      • Verlustvortrag beim Erblasser
      • Verlustausgleich beim Erben im Todesjahr
      • Verlustvortag beim Erben
    Max Meier hat im Jahr 1993 positive Einkünfte i.H.v. 150.000 DM, Sonderausgaben i.H.v. 20.000 DM und einen zum 31.12.1992 festgestellten verbleibenden Verlustvortrag i.H.v. 200.000 DM. Max Meier verstirbt am 27.08.1993. Alleinerbe ist sein Sohn Peter Meier, der in 1993 ein Einkommen i.H.v. 40.000 DM hat.
    Lösung:
    Der bei Max Meier nicht ausgeglichene Verlust i.H.v. 70.000 DM wird beim Erben Peter Meier im Jahr 1993 als geerbter Verlustvortrag i.H.v. 40.000 DM berücksichtigt. Der nicht voll ausgeschöpfte Verlust wird zum 31.12.1993 i.H.v. 30.000 DM bei Peter Meier gesondert festgestellt.(Für Max Meier erfolgt im Todesjahr keine Verlustfeststellung!)
    Sind mehrere Erben vorhanden, ist der Verlustabzug nach dem Verhältnis der Erbteile aufzuteilen (BFH, 10.04.1973, BStBl II S. 679). Schlägt ein Erbe die Erbschaft aus, steht das Recht des Erblassers zum Verlustabzug dem Erben zu, der an die Stelle des ausschlagenden Erben tritt.
    Zur Berücksichtigung eines positiven/negativen Progressionsvorbehalts eines Verlustrücktrags/-vortrags vgl. Progressionsvorbehalt .
WoltersKluwer