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Steuer-Lexikon

Verlustausgleich


  • Rechtslage ab 2004
    Ab dem Verlustentstehungsjahr 2004 sind - unter Beachtung fortbestehender Sonderregelungen (z.B. §§ 15 Abs. 4 , 23 Abs. 3 EStG ) - Verluste dem Grunde nach wieder uneingeschränkt ausgleichsfähig. Eine Verschärfung der steuerlichen Verlustnutzung stellt hingegen die Einführung einer sog. Mindeststeuer in Gestalt einer der Höhe nach nur begrenzt möglichen Nutzung (Sockelbetrag i.H.v. 1 Mio. EUR; Ehegatten 2 Mio. EUR) steuerlicher Verlustvorträge dar. Über den Sockelbetrag hinausgehende steuerliche Verluste können bis zu 60 % des 1 Mio. EUR übersteigenden Gesamtbetrags der Einkünfte abgezogen werden. Wegen Einzelheiten wird auf den Lexikoneintrag Verlustabzug verwiesen.
  • Rechtslage von 1999 bis 2003

    • Allgemeines
      Die Änderung im § 2 Abs. 3 EStG bringt ab 1999 erhebliche Einschränkungen beim Verlustausgleich zwischen positiven und negativen Einkünften eines Jahres mit sich. Ziel der Beschränkungen beim Verlustausgleich ist es, in gewissem Rahmen dafür zu sorgen, dass trotz bestehender Verluste jährlich eine Mindestbesteuerung erfolgt.
      Die nach dem ursprünglichen Gesetzentwurf geplante Unterteilung der Einkünfte in solche aus aktiver Tätigkeit und solche aus passiver Tätigkeit wurde im Zuge der weiteren Beratungen fallen gelassen.
      Ein Teil der Regelungen im § 2 Abs. 3 EStG muss im unmittelbaren Zusammenhang mit den Einschränkungen und Änderungen beim Verlustabzug ( § 10d EStG ) gesehen werden.
      Beim horizontalen Verlustausgleich (innerhalb einer Einkunftsart) und dem vertikalen Verlustausgleich (zwischen unterschiedlichen Einkunftsarten) sind nach § 2 Abs. 3 EStG folgende Grundprinzipien zu beachten:
      • Zunächst wird jeweils getrennt der Saldo aus positiven und negativen Einkünften innerhalb der jeweiligen Einkunftsart ermittelt. Bei der Ermittlung der Einkünfte einer Einkunftsart ist ein horizontaler Verlustausgleich ohne Beschränkungen möglich.
        Einkünfte § 15 Einzelunternehmen 250.000 EUR
        Einkünfte § 15 Beteiligung- - 200.000 EUR
        Lösung
        Voller Verlustausgleich
        Summe der Einkünfte 50.000 EUR
        Einkünfte § 15 Einzelunternehmen 250.000 EUR
        - Einkünfte § 15 Beteiligung - 200.000 EUR
      • Eine Verrechnung negativer Einkünfte einer Einkunftsart mit positiven Einkünften einer anderen Einkunftsart (vertikaler Verlustausgleich) ist zunächst bis zu 51.500 EUR ebenfalls uneingeschränkt möglich.
        Einkünfte § 15 EStG 250.000 EUR
        Einkünfte § 21 EStG - 51.500 EUR
        Lösung
        Voller Verlustausgleich bis 51.500 EUR auch zwischen den Einkunftsarten:
        Summe der Einkünfte 198.500 EUR
        Einkünfte § 15 EStG 250.000 EUR
        - Einkünfte § 21 Beteiligung - 51.500 EUR
      • Übersteigen die negativen Einkünfte 51.500 EUR, können die ersten 51.500 EUR mit positiven Einkünften voll verrechnet werden. Ein weiterer Verlustausgleich ist dann aber nur noch bis zu höchstens 50 % der 51.500 EUR übersteigenden positiven Einkünfte möglich.
        Beispiel
        Einkünfte § 15 EStG 150.000 EUR
        Einkünfte § 21 EStG - 125.000 EUR
        Lösung
        Summe der Einkünfte
        (Mindestbsteuerung) 49.250 EUR
        positive Einkünfte § 15 EStG 150.000 EUR
        Verlust § 21 EStG 125.000 EUR
        Verlustausgleich 1. Stufe:  51.500 EUR 51.500 EUR
        73.500 EUR 98.500 EUR
        Verlustausgleich 2. Stufe:
        höchstens 50 % von 98.500 EUR 49.250 EUR 49.250 EUR
        Restverlust (vortragsfähig gem. § 10 d EStG) 24.250 EUR
      • Setzen sich die positiven Einkünfte oder die negativen Einkünfte aus mehreren Einkunftsarten zusammen. Erfolgt der Verlustausgleich jeweils mit Teilbeträgen der jeweiligen Einkunftsart. Diese werden im Verhältnis der Einkünfte aus den jeweiligen positiven / negativen Einkunftsarten im Verhältnis zur Summe aller positiven bzw. negativen Einkünften ermittelt.
      Beim Verlustausgleich ergeben sich somit folgende Fallvarianten:
    • Verlustausgleich Variante I
      Summe der positiven Einkünfte </= 51.500 EUR
      Summe der negativen Einkünfte </= 51.500 EUR
      Positive und negative Einkünfte nur aus jeweils einer Einkunftsart
      § 15 EStG 25.000 EUR
      § 21 EStG - 40.000 EUR
      Lösung
      Voller Verlustausgleich
      Einkünfte § 15 EStG 25.000 EUR
      Verlust § 21 EStG 40.000 EUR
      Verlustausgleich 1. Stufe: 25.000 EUR 25.000 EUR
      Restverlust (vortragsfähig gem. § 10d EStG) 15.000 EUR
      Summe der Einkünfte 0 EUR
      Festgestellter Verlustvortrag § 10d EStG:
      Verlust § 21 EStG 15.000 EUR
      Positive und/oder negative Einkünfte aus mehreren Einkunftsarten
      § 18 EStG 30.000 EUR
      § 15 EStG - 12.500 EUR
      § 21 EStG - 25.000 EUR
      Lösung:
      Voller Verlustausgleich insgesamt 30.000 EUR (Bagatellgrenze).
      Abzug der Verluste aus den einzelnen Einkunftsarten nur anteilig:
      Summe der Einkünfte 0 EUR
      Einkünfte § 18 EStG 30.000 EUR
      Verlust § 15 EStG 12.500 EUR
      Verlustausgleich 30.000 EUR x (12.500/37.500) 10.000 EUR - 10.000 EUR
      Restverlust (vortragsfähig gem. § 10d EStG) 2.500 EUR
      Verlust § 21 EStG 25.000 EUR
      Verlustausgleich 30.000 EUR x (25.000/37.500) 20.000 EUR - 20.000 EUR
      Restverlust(vortragsfähig gem. § 10d EStG) 5.000 EUR ------------
      Festgestellter Verlustvortrag § 10d EStG :
      Verlust § 15 EStG 2.500 EUR
      Verlust § 21 EStG 5.000 EUR
    • Verlustausgleich Variante II
      Summe der positiven Einkünfte > 51.500 EUR
      Summe der negativen Einkünfte </= 51.500 EUR
      Positive und negative Einkünfte nur aus jeweils einer Einkunftsart.
      § 15 EStG 75.000 EUR
      § 21 EStG - 45.000 EUR
      Lösung:
      Summe der Einkünfte 30.000 EUR
      Voller Verlustausgleich
      Einkünfte § 15 EStG  75.000 EUR
      Verlust § 21 EStG  45.000 EUR
      Verlustausgleich 1. Stufe: 45.000 EUR 45.000 EUR
      Restverlust 0 EUR
      Positive und/oder negative Einkünfte aus mehreren Einkunftsarten
      § 18 EStG 75.000 EUR
      § 15 EStG 25.000 EUR
      § 21 EStG - 40.000 EUR
      Lösung:
      Voller Verlustausgleich insgesamt 40.000 EUR (Bagatellgrenze). Abzug der Verluste bei den einzelnen Einkunftsarten nur anteilig (erforderlich wegen des einkünftebezogenen gesonderten Abzugs möglicher Verlustvorträge):
      Verrechnung:
      Summe der Einkünfte 60.000 EUR
      Einkünfte § 18 EStG 75.000 EUR
      Verlustausgleich § 21 EStG
      40.000 EUR x (75.000/100.000) 30.000 EUR
      verbleibende Einkünfte § 18 EStG 45.000 EUR 45.000 EUR
      Einkünfte § 15 EStG 25.000 EUR
      Verlustausgleich § 21 EStG
      40.000 EUR x (25.000/100.000) 10.000 EUR
      verbleibende Einkünfte § 15 EStG 15.000 EUR 15.000 EUR
    • Verlustausgleich Variante III
      Summe der positiven Einkünfte </= 51.500 EUR
      Summe der negativen Einkünfte > 51.500 EUR
      Positive und negative Einkünfte nur aus jeweils einer Einkunftsart
      Beispiel
      § 15 EStG 40.000 EUR
      § 21 EStG - 100.000 EUR
      Lösung
      Voller Verlustausgleich in Höhe von 40.000 EUR (Bagatellgrenze)
      Summe der Einkünfte 0 EUR
      Einkünfte § 15 EStG 40.000 EUR
      Verlust § 21 EStG 100.000 EUR
      Verlustausgleich 1. Stufe: 40.000 EUR 40.000 EUR
      Restverlust § 21 EStG
      (vortragsfähig gem. § 10d EStG) 60.000 EUR
      Festgestellter Verlustvortrag § 10d EStG :
      Verlust § 21 EStG 60.000 EUR
      Positive und/oder negative Einkünfte aus mehreren Einkunftsarten
      § 18 EStG 40.000 EUR
      § 15 EStG - 75.000 EUR
      § 21 EStG - 25.000 EUR
      Lösung:
      Voller Verlustausgleich insgesamt 40.000 EUR (Bagatellgrenze). Abzug der Verluste aus den einzelnen Einkunftsarten nur anteilig (erforderlich wegen des einkünftebezogenen gesonderten Abzugs möglicher Verlustvorträge):
      Summe der Einkünfte 0 EUR
      Einkünfte § 18 EStG 40.000 EUR
      Verrechnung:
      Verluste § 15 EStG 75.000 EUR
      Verlustausgleich § 15 EStG
      40.000 EUR x (75.000/100.000) 30.000 EUR 30.000 EUR
      verbleibende Verluste § 15 EStG 45.000 EUR
      Verluste § 21 EStG 25.000 EUR
      Verlustausgleich § 21 EStG
      40.000 EUR x (25.000/100.000) 10.000 EUR 10.000 EUR
      verbleibende Einkünfte § 15 EStG 15.000 EUR
      Festgestellter Verlustvortrag § 10d EStG :
      Verlust § 15 EStG 45.000 EUR
      Verlust § 21 EStG 15.000 EUR
    • Verlustausgleich Variante IV
      Summe der positiven Einkünfte > 51.500 EUR
      Summe der negativen Einkünfte > 51.500 EUR
      Positive und negative Einkünfte nur aus jeweils einer Einkunftsart
      § 15 EStG 120.000 EUR
      § 21 EStG - 100.000 EUR
      Lösung
      Verlustausgleich in Höhe von 51.500 EUR (Bagatellgrenze) + 50 % der übersteigenden Beträge.
      Summe der Einkünfte 34.250 EUR
      Einkünfte § 15 EStG 120.000 EUR
      Verlust § 21 EStG 100.000 EUR
      Verlustausgleich 1. Stufe: 51.500 EUR 51.500 EUR
      48.500 EUR 68.500 EUR
      Verlustausgleich 2. Stufe:
      50 % v. 68.500 EUR 34.250 EUR 34.250 EUR
      Restverlust § 21 EStG
      (vortragsfähig gem. § 10d EStG) 14.250 EUR
      Festgestellter Verlustvortrag § 10d EStG :
      Verlust § 21 EStG 14.250 EUR
      Positive und/oder negative Einkünfte aus mehreren Einkunftsarten
      § 18 EStG 130.000 EUR
      § 15 EStG - 25.000 EUR
      § 21 EStG - 75.000 EUR
      Lösung:
      Summe der Einkünfte 39.250 EUR
      Einkünfte § 18 EStG 130.000 EUR
      Verrechnung:
      Verlustausgleich 1. Stufe: 51.500 EUR
      davon:
      Verluste § 15 EStG 25.000 EUR
      Verlustausgleich § 15 EStG
      51.500 EUR x (25.000/100.000)  12.875 EUR  12.875 EUR
      verbleibende Verluste § 15 EStG 12.125 EUR
      Verluste § 21 EStG 75.000 EUR
      Verlustausgleich § 21 EStG
      51.500 EUR x (75.000/100.000) 38.625 EUR  38.625 EUR
      verbleibende Einkünfte § 15 EStG 36.375 EUR 78.500 EUR
      Restverlust (12.875 EUR + 38.625 EUR) 51.500 EUR
      Verlustausgleich 2. Stufe:
      50 % von 78.500 EUR: 39.250 EUR
      davon:
      Restverluste § 15 EStG 12.125 EUR
      Verlustausgleich § 15 EStG 9.812,50 EUR 9.812,50 EUR
      39.250 EUR x (25.000/100.000) verbleibende, nicht ausgeglichene
      Verluste § 15 EStG 2.312,50 EUR
      Verluste § 21 EStG 36.375 EUR
      Verlustausgleich § 21 EStG
      39.250 EUR x (75.000/100.000) 29.437,50 EUR 29.437,50 EUR
      verbleibend, nicht ausgeglichene
      Verluste § 15 EStG 6.937,50 EUR
      Festgestellter Verlustvortrag § 10d EStG :
      Verlust § 15 EStG 2.312,50 EUR
      Verlust § 21 EStG 6.937,50 EUR
    • Verlustausgleich bei Ehegatten
      Bei Ehegatten, die nach § 26 EStG und § 26b EStG zusammenveranlagt werden, wird die Einkünfte der einzelnen Einkunftsarten jeweils getrennt ermittelt.
      Auch für die Frage des Verlustausgleichs ist jeder Ehegatte getrennt zu betrachten. Der Betrag von 51.500 EUR gilt dabei zunächst für jeden der Ehegatten. Ehegatten, die zusammen veranlagt werden, erhalten aber einen Verlustausgleich von zusammen mindestens 103.000 EUR. Die Ehegatten können ihre Höchstbeträge von 51.500 EUR also unabhängig davon ausnutzen, welcher von beiden die negativen Einkünfte erzielt.
      Zusammenveranlagte Ehegatten
      Ehemann:
      Einkünfte § 15 Einzelunternehmen 250.000 EUR
      Einkünfte § 15 Beteiligung - 100.000 EUR
      Einkünfte § 21 - 40.000 EUR
      Ehefrau:
      Einkünfte § 21 - 100.000 EUR
      Lösung:
      Summe der positiven Einkünfte der Ehegatten
      §15 EStG (250.000 EUR- 100.000 EUR) 150.000 EUR
      Verlustabzug Stufe 1 max 103.000 EUR
      Verlustabzug Stufe 2
      ( 50 % v. 47.000) 23.500 EUR
      Ehemann:
      Einkünfte § 15 Einzelunternehmen 250.000 EUR
      - Einkünfte § 15 Beteiligung - 100.000 EUR
      Einkünfte § 15 150.000 EUR
      - Verlust § 21 EStG Ehemann (Stufe 1) 40.000 EUR
      - Verlust § 21 EStG Ehefrau (Stufe 1) 63.000 EUR
      - Verlust § 21 EStG Ehefrau (Stufe 2) 23.500 EUR
      Summe der Einkünfte Ehemann (§ 15) 23.500 EUR
      Summe der Einkünfte Ehefrau (§ 21) - 13.500 EUR
      Ehemann Ehefrau
      § 15 EStG 155.000 EUR § 19 EStG 25.000 EUR
      § 21 EStG - 100.000 EUR § 21 EStG - 50.000 EUR
      Lösung:
      Ehemann Ehefrau
      Summe der
      Einkünfte 39.250 EUR 0 EUR
      § 15 EStG 155.000 EUR § 19 EStG 25.000 EUR
      Verlustausgleich § 21 EStG
      1. Stufe 51.500 EUR 1. Stufe 25.000 EUR
      1.Stufe 0 EUR
      Rest Ehefrau 25.000 EUR
      78.500 EUR
      2. Stufe: 100.000
      max. 50 % von
      78.500 39.250 EUR
    • Übergangsregelung
      Für vortragsfähige Verluste, die zum 31.12.1998 festgestellt werden gilt § 10d EStG in seiner bisherigen Fassung eine nachträglich Aufteilung nach Einkunftsarten entfällt damit ebenso wie die für später entstehende Verluste bestehenden Abzugsbeschränkungen.
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