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Online-Ausgabe Nr. 150 vom 20.06.2006

ISSN 1617-7800 (Online-Ausgabe)

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I N H A L T S V E R Z E I C H N I S


1. Aktuelles

2. Aus der Steuerverwaltung

3. Aus der Rechtsprechung

4. Neue Fachliteratur

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Während die Fußballer dieser Erde noch um den Titel kämpfen, haben wir schon gewonnen: Denn die NWB ist beim Kongress der Deutschen Fachpresse in Wiesbaden zur Fachzeitschrift des Jahres 2006 gewählt worden.

 

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Haushaltsnahe Dienstleistungen einer Wohnungseigentümergemeinschaft

Das Finanzgericht Baden-Württemberg entschied mit Urteil vom 17. Mai 2006, dass eine Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen auch dann zu gewähren sei, wenn die Auftragsvergabe durch eine Wohnungseigentümergemeinschaft oder deren Verwalter erfolge.

 

Die Kläger sind Eigentümer einer selbst genutzten Eigentumswohnung mit Garage. In der Einkommensteuererklärung machten sie eine Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen in Höhe von 404 EUR geltend. Diese - anteilig auf ihr Wohnungseigentum entfallenden - Kosten waren für Hausreinigung und Gartenpflege entstanden.

 

Das Finanzamt gewährte keine Steuermäßigung, weil die Wohnungseigentümergemeinschaft und nicht die Kläger selbst Auftraggeber der Dienstleistungen gewesen seien. Die Kläger erhoben hiergegen Klage. Zu ihrer Begründung führten sie aus, sowohl die Beauftragung der Reinigungsarbeiten als auch die Vergabe der Grünpflege gehe auf einen Beschluss der Eigentümergemeinschaft zurück.

 

Die Klage hatte Erfolg. Das Finanzgericht entschied, dass die Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen nach § 35a EStG auch dann zu gewähren sei, wenn die Auftragsvergabe durch eine Wohnungseigentümergemeinschaft oder deren Verwalter erfolge.

 

Die entgegenstehende Auffassung in dem Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen sei nach dem Wortlaut des § 35 a Abs. 2 EStG nicht geboten.

 

Auch der mit der Steuerermäßigung gesetzgeberisch verfolgte Zweck, Schwarzarbeit bei Beschäftigungsverhältnissen im Privathaushalt zu bekämpfen, rechtfertige es nicht, Wohnungseigentümergemeinschaften von der Steuerermäßigung allgemein auszuschließen.

 

Ebenso wie bei Dienstleistungen im privaten Haushalt eines Steuerpflichtigen bestünde auch bei Arbeiten für eine Wohnungseigentümergemeinschaft die Gefahr der Schwarzarbeit.

 

Die Regelung in der Verwaltungsanweisung des Finanzministeriums sei auch mit dem Gleichheitsgebot des Artikel 3 Abs. 1 GG nicht zu vereinbaren. Denn Mitglieder von Wohnungseigentümergemeinschaften würden gegenüber Miteigentümergemeinschaften sowie Eigentümern von Einfamilienhäusern benachteiligt.

 

Eine Ungleichbehandlung liege vor allem deshalb vor, weil die Finanzverwaltung die Steuerermäßigung nicht versage, wenn die haushaltsnahe Dienstleistung gegenüber Miteigentümern eines Wohngebäudes erbracht werde.

 

In einem solchen Fall sei aber kein sachlicher Grund für eine Ungleichbehandlung von Wohnungseigentum und Miteigentum an Wohngebäuden nach Bruchteilen ersichtlich.

 

Finanzgericht Baden-Württemberg, Urteil v. 17. Mai 2006 - 13 K 262/04 -. Das Gericht hat die Revision zum Bundesfinanzhof zugelassen. Diese ist unter dem Aktenzeichen VI R 28/06 dort anhängig.

 

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Das Elterngeld

Das Bundeskabinett hat am 14. Juni 2006 den Gesetzentwurf zur Einführung eines Elterngeldes beschlossen.

 

Nachfolgend die wichtigsten Eckpunkte:

 

  • Das Elterngeld wird im Kernzeitraum zwölf Monate gezahlt. Zwei zusätzliche Partnermonate kommen hinzu, wenn sich der jeweils andere Partner Zeit für das Kind nimmt und im Beruf kürzer tritt. Die insgesamt 14 Monate können somit frei zwischen Vater und Mutter aufgeteilt werden, mindestens zwei Monate sind allein für den Vater oder die Mutter reserviert.
  • Elterngeld gibt es für Erwerbstätige, Beamte, Selbstständige und erwerbslose Elternteile, Studierende und Auszubildende.
  • 67 Prozent des wegfallenden Einkommens, mindestens 300 Euro maximal 1800 Euro werden ersetzt, wenn die Arbeitszeit auf maximal 30 Stunden pro Woche reduziert wird.
  • Nimmt der Vater oder die Mutter die zwei Partnermonate nicht in Anspruch, so wird für diese zwei Monate kein Elterngeld, auch kein Mindestelterngeld, gezahlt.
  • Das Mindestelterngeld in Höhe von 300 Euro wird im Kernzeitraum von zwölf Monaten immer gezahlt, wenn ein Elternteil das Kind betreut, unabhängig davon, ob der Elternteil vorher erwerbstätig war. Das betrifft Transferempfänger ebenso wie Einverdienerfamilien.
  • Das Mindestelterngeld in Höhe von 300 Euro wird während der Kernzeit von zwölf Monaten nicht als Einkommen auf andere Sozialleistungen oder Wohngeld angerechnet.
  • Alleinerziehende, die vor der Geburt des Kindes erwerbstätig waren, erhalten das Elterngeld 14 Monate, da sie Vater- und Muttermonate erfüllen.
  • Bei der Geburt eines weiteren Kindes innerhalb von 24 Monaten wird zusätzlich zum neuen Elterngeld ein Geschwisterbonus gezahlt. Er errechnet sich aus der Hälfte der Differenz der höchstmöglichen Elterngelder für beide Kinder.
  • Für Geringverdiener gibt es ein erhöhtes Elterngeld. Ist das zugrunde liegende Nettoeinkommen geringer als 1000 Euro monatlich, wächst der Einkommensersatz bis zu 100 Prozent. Je 20 Euro geringerem Einkommen erhöht sich die Ersatzrate um jeweils ein Prozent.
  • Das Elterngeld kann bei gleichem Gesamtbudget auch auf den doppelten Zeitraum (auf bis zu 28 Monate) gestreckt werden, dann werden die halben Monatsbeträge gezahlt.
  • Maßgeblich für die Berechnung des Elterngeldes ist der Durchschnittsbetrag aus dem Einkommen der vergangenen zwölf Kalendermonate vor der Geburt des Kindes bzw. vor der in Anspruch genommenen Mutterschutzfrist. So wird sichergestellt, dass auch befristet Beschäftigte und Selbstständige mit unregelmäßiger Auftragslage angemessen berücksichtigt werden.
  • Das Gesetz zum Elterngeld soll zum 1. Januar 2007 in Kraft treten.
  • Es gilt die Stichtagsregelung. Für Kinder, die ab dem 1. Januar 2007 geboren werden, gibt es das Elterngeld. Für Kinder, die vor dem 1. Januar 2007 zur Welt kommen, gilt das bisherige Bundeserziehungsgeldgesetz.
  • Das Elterngeld ist steuerfinanziert. Es ist für die Einkommenssteuer progressionsrelevant: Es wird zum Einkommen hinzugerechnet und bestimmt die Höhe des Steuersatzes. Selbst wird es nicht versteuert und ist abgabenfrei.
  • Das Elterngeld kostet ab dem Jahr 2009, wenn es das Bundeserziehungsgeld nicht mehr gibt, rund 3,9 Mrd. Euro für den Bund.
  • Im Übergangszeitraum, in dem es das Bundeserziehungsgeldgesetz noch für Kinder gilt, die vor dem 1. Januar 2007 geboren werden, fallen voraussichtlich folgende Kosten an: 2007: 3,5 Mrd. Euro; 2008: 4,4 Mrd. Euro.
  • Grundlage der Berechungen: Die Angaben basieren darauf, dass 27 Prozent der Väter die Partnermonate in Anspruch nehmen. Derzeit sind es etwa fünf Prozent. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 676.000 Kinder geboren. Das Familienministerium geht davon aus, dass etwa 40.000 Familien das Elterngeld nicht beantragen werden, da die Eltern vollerwerbstätig bleiben und somit mit dem Überschreiten der 30 Wochenarbeitsstunden keinen Anspruch auf das Elterngeld haben. Die etwa 10.000 Mehrlingsgeburten berücksichtigt, ergibt dies 620.000 Elternhaushalte als Berechnungsgrundlage.
  • Diese Zahlen wurden vom Fraunhofer Institut im Auftrag des Bundesministeriums ermittelt

 

Gesetzentwurf Elterngeld vom 14. Juni 2006 (PDF - 71 Seiten - 368 KB )

Quelle: Pressemitteilung Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vom 14.06.2006

 

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Haushaltsbegleitgesetz 2006 - Bundesrat hat zugestimmt

Der Bundesrat hat am 16. Juni 2006 mit seiner Zustimmung zum Haushaltsbegleitgesetz 2006 den Weg für die nachhaltige Konsolidierung der öffentlichen Haushalte geebnet. Die Mehrwertsteuer erhöht sich damit zum 1. Januar 2007 von 16 auf 19 Prozent.

 

Zwei Prozentpunkte der Steuererhöhung werden für die Stabilisierung des Haushalts verwandt. Ein Prozentpunkt wird für die Senkung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung genutzt. Der Deutsche Bundestag hatte das Gesetz am 19. Mai 2005 mit großer Mehrheit beschlossen.

 

Neuerungen

 

Das Haushaltsbegleitgesetz 2006 setzt wichtige Eckpfeiler für die strukturelle Konsolidierung der öffentlichen Haushalte. Neben der Erhöhung der Mehrwertsteuer ab 2007 werden noch eine Reihe weiterer Einsparungen zum Teil schon in diesem Jahr wirksam:

 

  • Das Weihnachtsgeld für Beamte und Versorgungsempfänger des Bundes wird für die Jahre 2006 bis 2010 halbiert. Für die Bundesregierung sowie die parlamentarischen Staatssekretärinnen und Staatsekretäre wird es ganz abgeschafft. Insgesamt leistet die öffentliche Verwaltung damit einen Sparbeitrag von rund einer Milliarde Euro jährlich ab 2006.
  • Neben der Mehrwertsteuer erhöhen sich zum 1. Januar 2007 auch die Regelsätze der Versicherungssteuer.
  • Der pauschale Beitragssatz für geringfügig Beschäftigte (Minijobs) im gewerblichen Bereich wird zum 1. Juli 2006 von 25 auf 30 Prozent erhöht: Erhöhung des Pauschalbetrags zur gesetzlichen Rentenversicherung auf 15 Prozent, Erhöhung des Pauschalbetrags zur gesetzlichen Krankenversicherung auf 13 Prozent, unverändert 2 Prozent Steuern.
  • Die Sozialversicherungsfreiheit von Sonn-, Feiertags- und Nachtzuschlägen wird ab dem 1. Juli 2006 auf einen Grundlohn von 25 Euro die Stunde begrenzt.
  • Die jährlichen Bundeszuschüsse an die Länder für den öffentlichen Nahverkehr - die so genannten Regionalisierungsmittel - werden neu festgesetzt und moderat gesenkt.

 

Quelle: Bundesregierung 16.06.2006

 

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Musterrechtsprozess zur Rentenbesteuerung

Der Deutsche Steuerberaterverband e.V. (DStV) führt vor dem Finanzgericht Münster einen Musterrechtsprozess mit dem Ziel, eine verfassungsgemäße Besteuerung von Renten zu erreichen (14 K 2406/06 E).

 

Der Kläger war während seiner Tätigkeit als selbstständiger Wirtschaftsprüfer bei der Deutschen Rentenversicherung Bund (früher: BfA) freiwillig versichert. Seine Beiträge entrichtete er im Wesentlichen aus versteuertem Einkommen, da sie den Sonderausgabenabzug für Vorsorgeaufwendungen bei weitem überstiegen.

 

Ab 2005 erhält der Kläger nunmehr Rentenbezüge, die das zuständige Finanzamt gemäß den Regelungen des Alterseinkünftegesetzes zur Hälfte in die einkommensteuerliche Bemessungsgrundlage des Klägers einbezieht. Dadurch ergibt sich nach Ansicht des DStV eine verfassungswidrige Doppelbesteuerung: Die Beiträge wurden aus versteuertem Einkommen entrichtet und die Bezüge müssen nochmals zu 50 % versteuert werden. In der Klage wird angeregt, das Alterseinkünftegesetz dem Bundesverfassungsgericht zur Überprüfung vorzulegen.

 

Steuerpflichtige, die vom Alterseinkünftegesetz in entsprechender Weise betroffen sind und bereits Einspruch gegen ihren Steuerbescheid eingelegt haben, haben keinen Anspruch auf Ruhen des Verfahrens. Es sollte aber unter Hinweis auf die nunmehr anhängige Klage eine einvernehmliche Lösung mit dem zuständigen Finanzamt möglich sein.

 

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Splittingtarif auch für eingetragene Lebensgemeinschaften?

Der Deutsche Steuerberaterverband e.V. (DStV) weist darauf hin, dass Partner einer eingetragenen Lebensgemeinschaft prüfen sollten, ob für sie der Splittingtarif steuerliche Vorteile bringt. Zwar ist das Splittingverfahren nach dem Wortlaut des Gesetzes Ehegatten vorbehalten, doch liegt dem Bundesverfassungsgericht nunmehr eine Beschwerde von Partnern einer eingetragenen Lebensgemeinschaft vor, die ebenfalls den Splittingtarif in Anspruch nehmen wollen (2 BvR 909/06).

 

Betroffene können im Rahmen ihrer Einkommensteuererklärung die Zusammenveranlagung und damit den Splittingtarif beantragen. Wenn das Finanzamt die Zusammenveranlagung ablehnt, kann Einspruch eingelegt und unter Berufung auf die Verfassungsbeschwerde Ruhen des Verfahrens beantragt werden.

 

Derzeit steht das in der Adenauer-Ära eingeführte Splittingverfahren auf dem politischen Prüfstand. Es wird darüber nachgedacht, die Begünstigung zukünftig nicht mehr an einen Trauschein zu knüpfen, sondern nur noch Familien mit Kindern zu unterstützen, unabhängig davon, ob die Eltern verheiratet sind.

 

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2. Aus der Steuerverwaltung



Ermittlung der nicht abziehbaren Schuldzinsen / Unterentnahme

Ermittlung der nicht abziehbaren Schuldzinsen nach § 4 Abs. 4a EStG; Berücksichtigung einer vor dem 1. Januar 1999 entstandenen Unterentnahme

 

Bezug: BMF-Schreiben vom 17. November 2005 - IV B 2 - S 2144 - 50/05 -

Hierzu: BMF-Schreiben vom 12. Juni 2006 - IV B 2 - S 2144 - 36/06 -

 

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Richtsatzsammlung 2005

Auf der Website des BMF




3. Aus der Rechtsprechung



Sicherheitsmaßnahmen am Wohnhaus eines Vorstandsmitglieds: Arbeitslohn, Auslagenersatz oder Werbungskosten

1. Aufwendungen des Kreditinstituts (Arbeitgeber) für Sicherheitsmaßnahmen am Wohnhaus seines leitenden Angestellten (Vorstandsmitglied) sind bei allenfalls abstrakter berufsbedingter Gefährdung von dessen Leben, Gesundheit und Vermögen, also nicht unerheblichem Eigeninteresse des Vorstandsmitglieds, Arbeitslohn.

 

2. Kein steuerfreier Auslagenersatz ist gegeben, wenn die Aufwendungen nicht im ganz überwiegenden betrieblichen Interesse des Kreditinstituts liegen und --angesichts der sich ratierlich mindernden Rückzahlungsverpflichtung-- nach Ablauf von fünf Jahren zu einer dauerhaften und nicht unerheblichen Bereicherung des Steuerpflichtigen führen.

 

  • Zum Urteil im Volltext (BFH vom 5. April 2006 IX R 109/00)

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Maßgeblicher Gewinn für die Anwendung des § 4 Abs 4a EStG

Der Rechtsbegriff "Gewinn" ist in § 4 Abs. 1 Satz 1 EStG definiert. Er ist auch maßgeblich für die Anwendung des § 4 Abs. 4a EStG.

 

  • Zum Urteil im Volltext (BFH vom 7. März 2006 X R 44/04)

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Haftungsbescheid gegen Mittäter oder Teilnehmer einer Steuerhinterziehung

Gegen den Mittäter oder Teilnehmer einer Steuerhinterziehung kann ein Haftungsbescheid nach § 71 AO 1977 ergehen, wenn wegen Aufteilung der Steuerschuld nach §§ 268, 278 AO 1977 gegen diesen nicht als Steuerschuldner vollstreckt werden kann.

 

  • Zum Urteil im Volltext (BFH vom 7. März 2006 X R 8/05)

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Zeitpunkt der Verwirklichung des Steuertatbestandes des § 9 Abs. 2 Nr. 1 GrEStG

Vereinbaren die Partner eines Rechtsgeschäfts i.S. des § 1 Abs. 1 Nr. 1 GrEStG nachträglich eine Erhöhung der Gegenleistung, ist der darin liegende Erwerbsvorgang in Form der zusätzlich gewährten Gegenleistung i.S. des § 9 Abs. 2 Nr. 1 GrEStG in dem Zeitpunkt gemäß § 23 Abs. 4 GrEStG verwirklicht, in dem die Bindung der Vertragspartner hinsichtlich der zusätzlich gewährten Gegenleistung eingetreten ist.

 

  • Zum Urteil im Volltext (BFH vom 26. April 2006 II R 3/05)

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Vereinbarkeit des § 31 BewG sowie des § 13a ErbStG mit der Freiheit des Kapitalverkehrs beim Erwerb landwirtschaftlichen und forstwirtschaftlichen Vermögens

Dem EuGH wird zur Vorabentscheidung folgende Rechtsfrage vorgelegt:

 

Ist es mit Art. 73b Abs. 1 EGV (jetzt Art. 56 Abs. 1 EG) vereinbar, dass für Zwecke der Erbschaftsteuer

 

a) in einem anderen Mitgliedstaat belegenes (ausländisches) land- und forstwirtschaftliches Vermögen mit dem gemeinen Wert (Verkehrswert) zu bewerten ist, während für inländisches land- und forstwirtschaftliches Vermögen ein besonderes Bewertungsverfahren gilt, dessen Ergebnisse durchschnittlich nur 10 v.H. der gemeinen Werte erreichen,

und

 

b) der Erwerb inländischen land- und forstwirtschaftlichen Vermögens in Höhe eines besonderen Freibetrags außer Ansatz und der verbliebene Wert lediglich zu 60 v.H. anzusetzen ist,

 

wenn dies bei einem Erben, der einen aus inländischem Vermögen und ausländischem land- und forstwirtschaftlichen Vermögen bestehenden Nachlass erbt, dazu führt, dass der Erwerb des inländischen Vermögens wegen der Belegenheit des land- und forstwirtschaftlichen Vermögens im Ausland einer höheren Erbschaftsteuer unterliegt, als dies bei Belegenheit des land- und forstwirtschaftlichen Vermögens ebenfalls im Inland der Fall wäre?

 

  • Zum Beschluss im Volltext (BFH vom 11. April 2006 II R 35/05)

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Erstreckung der Gewerbesteuerbefreiung der Betriebskapitalgesellschaft auf das Besitz(personen-)Unternehmen

Die Befreiung der Betriebskapitalgesellschaft von der Gewerbesteuer nach § 3 Nr. 20 Buchst. c GewStG erstreckt sich bei einer Betriebsaufspaltung auch auf die Vermietungs- oder Verpachtungstätigkeit des Besitzpersonenunternehmens (Abweichung von der bisherigen Rechtsprechung; vgl. dazu insbesondere BFH-Urteile vom 13. Oktober 1983 I R 187/79, BFHE 139, 406, BStBl II 1984, 115; vom 12. November 1985 VIII R 282/82, BFH/NV 1986, 362; vom 19. März 2002 VIII R 57/99, BFHE 198, 137, BStBl II 2002, 662).

 

  • Zum Urteil im Volltext (BFH vom 29. März 2006 X R 59/00)

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Erstattung von Einfuhrabgaben bei wegen Schadhaftigkeit zurückgewiesenen Waren

Wird eine eingeführte Ware vom Einführer wegen ihrer Schadhaftigkeit zurückgewiesen und wieder aus dem Zollgebiet der Gemeinschaft ausgeführt, steht ein vorheriger Weiterverkauf der Ware dem Anspruch des Einführers auf Erstattung der Einfuhrabgaben nur entgegen, wenn die Ware in Kenntnis ihrer Schadhaftigkeit verkauft worden ist. Es kommt weder darauf an, ob die Schadhaftigkeit der Ware im Zeitpunkt ihres Weiterverkaufs hätte erkannt werden können, noch darauf, ob die Ware an einen Abnehmer in der Gemeinschaft oder in einem Drittland weiterverkauft wurde.

 

  • Zum Urteil im Volltext (BFH vom 28. März 2006 VII R 23 und 24/05)

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Änderung von Steuerbescheiden aufgrund irriger Beurteilung desselben Sachverhalts - Verlust der wirtschaftlichen Identität

  • Zum Urteil im Volltext (BFH vom 14. März 2006 I R 8/05)

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Berechnung der Steuer für einen späteren Erwerb unter Berücksichtigung eines mit einer nicht abziehbaren Belastung beschwerten Vorerwerbs - keine Stundung der Steuer für den nicht von einer solchen Belastung betroffenen Letzterwerb

1. Ist ein mit einer nach § 25 Abs. 1 Satz 1 ErbStG nicht abziehbaren Belastung beschwerter Erwerb nach § 14 Abs. 1 Satz 1 ErbStG mit einem späteren Erwerb zusammenzurechnen, ist der Bruttowert des Vorerwerbs sowohl dieser Zusammenrechnung als auch der Berechnung der nach § 14 Abs. 1 Sätze 2 und 3 ErbStG abzuziehenden Steuer zugrunde zu legen.

 

2. Soweit diese Berechnung zur Festsetzung einer höheren Steuer für den Letzterwerb führt als bei einer Berücksichtigung der Belastung des Vorerwerbs, ist der Mehrbetrag auch dann nicht nach § 25 Abs. 1 Satz 2 ErbStG zu stunden, wenn die Belastung bei der Entstehung der Steuer für den Letzterwerb noch nicht erloschen ist.

 

  • Zum Urteil im Volltext (BFH vom 8. März 2006 II R 10/05)

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Fiskalerbschaft - Gemeinschaftssteuer - Ertragshoheit - Verwaltungshoheit - Steuergläubiger - Gesamtgläubiger - Teilgläubiger - Konfusion - Zuwendung - Aufteilungsbescheid - Duldungspflicht - Zusammenveranlagung - Vollstreckungsbeschränkung

  • Zum Urteil im Volltext (BFH vom 7. März 2006 VII R 12/05)

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Wiederkehrende Leistungen eines Erben an einen nicht zum Generationennachfolge-Verbund gehörenden Dritten

Wiederkehrende Leistungen, die der Erbe aufgrund eines Vermächtnisses an einen Dritten zu zahlen hat, sind nur dann --unter weiteren Voraussetzungen-- beim Empfänger der Bezüge nach § 22 Nr. 1 EStG steuerbar, wenn er zum sog. Generationennachfolge-Verbund gehört. Personen, die zu einem früheren Zeitpunkt auf ihr Pflichtteilsrecht verzichtet hatten, gehören nicht zum Generationennachfolge-Verbund.

 

  • Zum Urteil im Volltext (BFH vom 7. März 2006 X R 12/05)

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Keine Saldierung positiver und negativer Fahrzeitveränderungen bei der Prüfung von Umzugskosten bei Ehegatten

Bei der Abgrenzung, ob Umzugskosten eines verheirateten Arbeitnehmers Aufwendungen für die Lebensführung oder deshalb nahezu ausschließlich beruflich veranlasst sind, weil sich die Fahrzeiten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte regelmäßig arbeitstäglich um insgesamt mindestens eine Stunde verkürzen, sind die Fahrzeitveränderungen der Ehegatten nicht zu saldieren.

 

  • Zum Urteil im Volltext (BFH vom 21. Februar 2006 IX R 79/01)

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4. Neue Fachliteratur



Abgabenordnung - 68 praktische Fälle

Die Abgabenordnung nimmt wegen ihrer grundlegenden Bedeutung eine Sonderstellung unter den Steuergesetzen ein. Durch die Auseinandersetzung mit den hier vorliegenden 68 Praxisfällen wird der Leser umfassend und gründliche mit der vielschichtigen Materie des Abgabenrechts, das häufig als trocken, unübersichtlich und schwer zugänglich empfunden wird, vertraut gemacht.

 

Die verwendeten Fällen erfassen - oft in übergreifenden Problemstellungen - sämtliche bedeutenden Bereiche der Abgabenordnung, wie z.B. die Änderung von Steuerbescheiden, das Rechtsbehelfsverfahren, die Haftung oder das Steuergeheimnis.

 

Neu aufgenommen wurden Fälle zum Steuerstrafrecht.

 

Die ausführlichen Begründungen enthalten Hinweise auf aktuelle Rechtsprechung zu der jeweils aufgeworfenen Fragestellung sowie weuterführende Literatur. Der Leser erhält dadurch Anhaltspunkte für eine Vertriefung über den dargestellten Fall hinaus.

 

    Heinke/Merkel/Merkel, 9. Auflage 2006, 275 Seiten, EUR 24,50 - ISBN 3-8168-3019-6

 

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Bilanzsteuerrecht - 90 praktische Fälle

Der Band "Bilanzsteuerrecht" aus der Reihe Steuer-Seminar Praxisfälle ist ein Lehrbuch und Nachschlagewerk für diejenigen, die schon über gewisse Grundkenntnisse verfügen. Dem vorgebildeten Leser wird die Möglichkeit gegeben, anhand von 90 praktischen Fällen sein Wissen zu vertiefen und zu überprüfen.

 

Unterschiede zwischen Handel- und Steuerbilanz, Wechsel der Gewinnermittlungsart, Besonderheiten bei Personengesellschaften sowie Erbauseinandersetzung und vorweggenommene Erbfolge sind nur einige der Themenschwerpunkte der vorliegenden 12. Auflage.

 

Gerade eine so schwierige Materie wie das Bilanzsteuerrecht ist von praktischen Beispielen ausgehend leichter und schneller zu begreifen als anhand einer ausschließlichen theoretischen Abhandlung.

 

    Kopei/Zimmermann, 12. Auflage 2006, 451 Seiten, EUR 31,00 - ISBN 3-8168-3042-0

 

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