Hinweis

Die Einträge im Lexikon sind veraltet.

Lexikon der Unternehmensführung - Organisation

Erhebungstechnik


Erhebungstechniken werden bei der Erfassung des gegenwärtigen Zustands eines Systems oder einer Organisation angewendet. Sie bilden die Grundlage, um in der Projektarbeit die erforderlichen Maßnahmen zu bestimmen, die einzuleiten sind, um die gestellten Ziele (Soll-Zustand) zu erreichen. Erhebungstechniken werden den Organisationstechniken zugerechnet, die allgemein als Instrumente ("Werkzeuge") zur Unterstützung organisatorischer Arbeit gelten. Sie unterstützen insbesondere die Erfassungsarbeit.
Nach der Auftragserteilung für ein Projekt muss der Ist-Zustand durch die Sammlung von Informationen erhoben werden. Welche konkreten Informationen benötigt werden, ist von der konkreten Aufgabenstellung abhängig. Alle Informationen müssen möglichst bereits während der Erhebung zusätzlich aufbereitet, geordnet und systematisiert werden, um sie für eine aussagekräftige Analyse verwendbar zu gestalten.
Die am häufigsten auch in der betrieblichen Praxis angewandten Erhebungstechniken sind die Dokumentenanalyse bzw. das Dokumentenstudium, die Befragungstechnik oder die Beobachtung .
  • In der Dokumentenanalyse wird auf bereits vorhandene Unterlagen zurückgegriffen, deren Informationsgehalt für die spezielle Fragestellung aufbereitet wird. Es ist unbedingt erforderlich, eine gründliche Aufzeichnung der ausgewerteten Quellen und der ihnen entnommenen Informationen zu führen, um bei späteren Nachfragen aussagefähig zu sein.
  • Die Befragungstechnik kann standardisiert, teilstandardisiert oder offen erfolgen. Alle genannten Arten von Befragungen können sowohl schriftlich auf der Grundlage eines Fragebogens als auch mündlich in Form eines Interviews durchgeführt werden.
    Bei standardisierten Interviews wird ein Fragebogen erarbeitet, der den Befragungspersonen bereits Antwortalternativen vorgibt. Dieser Fragebogen wird meistens für die schriftliche Befragung einer möglichst großen Zahl von Probanden (quantitatives Interview) genutzt.
    In teilstandardisierten Befragungen findet ein Fragekatalog Anwendung, der jedoch die Anwort für den Probanden offen lässt.
    In der offenen Befragung (qualitatives Interview) arbeitet der Interviewer mit einem Leitfaden, der nur Schwerpunkte, jedoch keine ausformulierten Fragen enthält. Die offene Befragung kann nur im Dialog mit dem Probanden entweder direkt persönlich, telefonisch oder via Internet erfolgen. Aus dem Dialog mit dem Probanden ergeben sich weitere Fragen, die spontan in das Interview aufgenommen werden. Für die exakte Auswertung mündlicher Interviews ist es zweckmäßig, eine Aufzeichnung mittels Aufnahmetechnik vorzunehmen.
  • Die Beobachtung kann durch Begehungen des zu analysierenden Bereichs, durch Selbst- oder Fremdbeobachtung erfolgen. Insbesondere Zeitaufnahmen des Arbeitstages werden durch Selbstbeobachtung der Arbeitsperson, die für alle von ihr ausgeführten Arbeitstätigkeiten den Zeitaufwand notiert erhoben. Zeitaufnahmen werden häufig auch in Form von Stichproben nach den Multimomentverfahren durch externe, geschulte Beobachter durchgeführt.

Praxistipp

Sollen die Erhebungstechniken im Unternehmen angewendet werden, dann ist die Voraussetzung für die realistische Erhebung des Ist-Zustands und eine entsprechende Wiedergabe des Arbeitsalltages, dass die Probanden gründlich vorbereitet und in die Untersuchung einbezogen werden.
WoltersKluwer