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Lexikon der Unternehmensführung - Organisation

Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse


Unter der Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse versteht man eine vorbeugendes Verfahren zur Vermeidung von Qualitätsmängeln . Dabei geht es um den Versuch, mögliche Qualitätsmängel an verschiedenen Schnittstellen zu erfassen und die Konsequenzen und Bedeutung eines solchen Fehlers festzustellen. Eingesetzt wird das Verfahren in Konstruktions- und Fertigungsprozessen oder bei logistischen Fragestellungen.
Die Analyse wird mit Hilfe der Mitarbeiter durchgeführt. Sie müssen das eigene Arbeitsergebnis auf mögliche Fehlerquellen untersuchen. Damit eine ehrlichen Bestandsaufnahme möglich ist, muss sichergestellt sein, dass die Mitarbeiter für eventuelle frühere Versäumnisse nicht sanktioniert werden. Wenn die Risiken erkannt sind, werden Maßnahmen zur Risikominimierung ergriffen und deren Umsetzung überwacht.
Für jede Fehlermöglichkeit kann eine "Risikoprioritätszahl" ermittelt werden:
Risiko-prioritäts-zahl = Wahrscheinlichkeit des Fehlerauftritts x Bedeutung des Fehlers
x Wahrscheinlichkeit der Entdeckung des Fehlers vor Auslieferung an den Kunden
Die drei Faktoren werden über eine Skalierung von 1 bis 10 messbar gemacht, z.B. wird die Wahrscheinlichkeit des Fehlerauftritts gemessen über: unwahrscheinlich = 1, sehr gering = 2-3 bis hoch = 9-10. Das Gleiche geschieht mit den beiden anderen Faktoren. Die Risikoprioritätszahl (zwischen 1 und 1.000) gibt dann darüber Auskunft, wie wahrscheinlich und schwer wiegend ein bestimmter Fehler sein wird. Beträgt die Zahl 1, ist der Fehler unwahrscheinlich bzw. unbedeutend. Liegt die Zahl bei dem Maximum von 1.000 (10 x 10 x 10), dann muss sofort eingegriffen werden. Eine mittlere Gefahr geht bei einem Wert von 125 (5 x 5 x 5) aus.
Beispiel einer Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse
Auftrag: Anlieferung von Ware an den Kunden per LKW
Fehler Folgen des Fehlers Fehlerursachen Derzeitige
Fehlerüber-
wachung
Potenzielle
Risiko-
prioritäts-
zahl*
1. Der LKW fällt aus Verspätete Anlieferung Ungenügende Wartung Routine- inspektionen 240
Umladen Falscher Umgang mit LKW
Zusatzkosten, Konventional- Strafe Material-ermüdung Stichproben- Überprüfung bei Verschleißteilen
Imageverlust
2. Die Ladung wird be-schädigt ..
3. Es werden falsche Teile geliefert ..
*Risiko-prioritäts-zahl = 6 (mittlere Wahr-scheinlichkeit des Fehlerauftritts) x 8 (relativ hohe Bedeutung des Fehlers)
x 5 (mäßige Wahrscheinlichkeit der Entdeckung des Fehlers vor Auslieferung an den Kunden) = 240
Da es sich um einen relativ schwer wiegenden möglichen Fehler handelt (Verärgerung des Kunden bei verspäteter Lieferung, mögliche Konventionalstrafe usw.), sind zusätzliche Abwehrmaßnahmen zu ergreifen. Möglich ist z.B. eine regelmäßige technische Überprüfung des Fahrzeugs durch einen Beauftragten (z.B. Werkstattleiter) nach jeder längeren Fahrt oder bei Erreichen eines bestimmten Kilometerstandes.
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