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Lexikon der Unternehmensführung - Organisation

Fertigungssegment


Das Fertigungssegment stellt ein konkretes Konzept einer Gruppenarbeit in der Fertigung dar. Als flexibles Produktionskonzept wird es vorwiegend durch organisationsbezogene Merkmale beschrieben, d.h. die Tätigkeit der Mitarbeiter/-innen (Teammitglieder) wird mit neuen Formen der Arbeitsorganisation , insbesondere der Gruppenarbeit gebracht. Daher wird das Fertigungssegment, wie auch die Fertigungs- oder Montageinsel, zu den organisationsorientierten Verfahren flexibler Produktionskonzepte gerechnet.
Voraussetzung für die Schaffung produktorientierter Fertigungssegmente ist ein heterogenes Leistungsprogramm . Ein Fertigungssegment kann auch aus mehreren betrieblichen Organisationseinheiten gebildet werden, z.B. mehreren Fertigungs- und/ oder Montageinseln, bestehen.
Ein Fertigungssegment ist eine produktorientierte dezentrale Organisationseinheit der Produktion . Es ist gekennzeichnet durch eine spezifische Wettbewerbsstrategie , in deren Mittelpunkt Kostenreduzierung, Verkürzung der Durchlaufzeiten und/ oder Qualitätsverbesserung stehen. Mehrere Stufen der logistischen Kette werden in ein Fertigungssegment integriert und fertigungsnahe indirekte Funktionen ebenfalls dem Team übertragen.
Fünf Definitionsmerkmale charakterisieren Fertigungssegmente, die in ihrer Geschlossenheit betrachtet werden müssen:
  • Markt- und Zielausrichtung;
  • Produktorientierung;
  • Integration mehrere Stufen der logistischen Kette;
  • Übertragung von indirekten Funktionen sowie
  • Kosten- und Ergebnisverantwortung.
Hintergrund der Markt- und Zielausrichtung ist das Bestreben, dass nicht mehr alle Produkte eines Unternehmens mit ihren im Normalfall unterschiedlichen wettbewerbsstrategischen Schwerpunkten ein und dieselbe Fertigung durchlaufen. Daher werden Fertigungsbereiche gebildet, die auf unterschiedliche strategische Ziele im Wettbewerb gerichtet sind. Entweder wird das Ziel der Kostenreduzierung bei angemessener Produktqualität oder eine Differenzierung durch hervorragende Produkt- und Prozessqualität als strategisches Ziel verfolgt.
In den beiden wettbewerbsstrategischen Zielen kommt die Konzentration auf die Produkt- und Prozessorientierung zum Ausdruck. Durch die Produktorientierung wird die Prozessdimension betont, die die Verkürzung der Durchlaufzeit gegenüber anderen fertigungswirtschaftlichen Zielen hervorhebt. Die Produktorientierung als Merkmal des Fertigungssegmentes bringt eine geringe Fertigungsbreite, jedoch eine hohe Fertigungstiefe auf Grund der angestrebten Komplettbearbeitung in den Segmenten hervor.
Die Integration mehrerer Stufen der logistischen Kette eines Produkts unterscheidet das Fertigungssegment von anderen flexiblen Fertigungskonzepten, die nur eine Stufe der logistischen Kette beinhalten (z.B. Fertigungszelle).
Mit der Übertragung indirekter Funktionen in das Fertigungssegment erfolgt eine Anreicherung ( job enrichment ) der ausführenden Arbeitstätigkeit mit dispositiven Tätigkeiten (planen, kontrollieren usw.), die in die gemeinsame Verantwortung des Teams gelegt werden. Dadurch wird wiederum dem Prozessgedanken gefolgt. Andererseits werden Schnittstellen reduziert, der Zeitaufwand für die Abstimmung und Koordinierung kann sinken, die Produktivität steigt. Dieses Merkmal folgt der Markt- und Zielausrichtung des Segments.
Dem Fertigungssegment wird eine Kosten- und Ergebnisverantwortung übertragen , indem es z.B. als Cost-Center oder Profit-Center ausgestaltet wird. Leistungs- und Finanzprozess der Unternehmung werden zusammengeführt, indem die Teams in der Fertigung in diesen unternehmerischen Zusammenhängen denken und handeln müssen. Hier wird ebenfalls der Prozessorientierung gefolgt, wenn marktbezogene Vergleichsmöglichkeiten implementiert werden. Es werden exakt definierte Leistungs- und Zielvereinbarungen mit den Beteiligten erarbeitet, die anschließend vom Fertigungssegment eigenverantwortlich zu erfüllen sind.
Diese Merkmale bilden die Grundlage für das Vorgehen beim Aufbau und der Gestaltung von Fertigungssegmenten. Flussoptimierung , kleine Kapazitätsquerschnitte in jeder Fertigungsstufe, räumliche Konzentration von Betriebsmitteln, selbststeuernde Regelkreise, Selbstkontrolle der Qualität bzw. die statistische Prozesskontrolle, Entkoppelung von Mensch und Maschine sowie Teamorientierung gehören zu den wichtigsten Gestaltungsprinzipien bei der Schaffung von Fertigungssegmenten. Über diese Gestaltungsprinzipien lässt sich eine Verbindung zwischen den Produktivitätszielen und der humaneren Gestaltung der Arbeitswelt erreichen.
Dem Fertigungssegment als direktem Segment werden alle unmittelbar mit der Fertigung im Zusammenhang stehenden Tätigkeiten zugeordnet. Beispielsweise lassen sich
  • Fertigungsaufgaben,
  • Feinsteuerung,
  • Qualitätsprüfung,
  • Lagerung und Materialbereitstellung
integrieren.
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