Hinweis

Die Einträge im Lexikon sind veraltet.

Lexikon der Unternehmensführung - Organisation

Flexibilität


    Flexibilität ist eine Eigenschaft offener, dynamischer Systeme. Sie bezeichnet die Fähigkeit, sich an veränderte Bedingungen im Rahmen definierter Grenzen anzupassen. Sie bestimmt die Reaktionsfähigkeit des Systems bezüglich veränderter Umweltbedingungen.
    Auch technische (damit Produktionssysteme ) und organisatorische Systeme sind offen und dynamisch und besitzen die Eigenschaft der Flexibilität.
  • Flexibilität von Produktionssystemen

    • Flexibilität der Produktionsfaktoren
      • Einsatz von Mehrzweckmaschinen und -aggregaten (qualitativ)
      • Änderung der Schichtauslastung von Betriebsmitteln (quantitativ)
      • Qualifizierung von Fachkräften (qualitativ)
      • Erweiterung der Lieferbeziehungen (quantitativ)
    • Flexibilität des Kombinationsprozesses der Produktionsfaktoren
      • Vereinfachung der Produktionsabläufe und -strukturen (qualitativ)
      • Verkürzung der Prozessdurchlaufzeiten (quantitativ)
      • Fertigung von Teilefamilien (qualitativ)
      • Einsparung von Prozess-Stufen in der Produktion (quantitativ)
    • Flexibilität des Prozessergebnisses
      • Entwicklung modularer Produkte (qualitativ)
      • Produkt-Eliminierung im Rahmen der Bereinigung des Produktionsprogrammes (quantitativ)
      • Verbesserung der Gebrauchswert-Eigenschaften von Produkten (qualitativ)
      • Erhöhung der Anzahl an Produkttypen und -varianten (quantitativ)

      Praxistipp

      Flexibilität ist mit zusätzlichem Kapitalbedarf verbunden, da Maßnahmen zur Erhöhung der Flexibilität z. T. erhebliche Kosten verursachen. Es kann daher nicht das Ziel unternehmerischer Entscheidungen sein, das Produktionssystem mit maximaler Flexibilität auszustatten. Eine weit gehende Übereinstimmung von Flexibilitätsbedarf und betrieblichem Flexibilitätspotenzial ist anzustreben. Andererseits muss beachtet werden, dass die Vorteile einer höheren Flexibilität nur voll erschlossen werden können, wenn sich durchgängig die Flexibilität in allen Bereichen des Unternehmens erhöht.
  • Flexibilität organisatorischer Systeme
    Die Grundvoraussetzung für die Existenz eines organisatorischen Systems in einer komplexen, dynamischen Umwelt ist dessen Fähigkeit, sich durch Selbststrukturierung den sich laufend ändernden Rahmenbedingungen anzupassen. Das Organisationsproblem besteht in der Verstärkung der menschlichen Fähigkeit zur Selbstorganisation.
    Standen in der traditionellen, arbeitsteiligen Organisation vor allem Sicherheit, Schutz, Regelmäßigkeit, Planbarkeit, Voraussagbarkeit, Orientierung und Geordnetheit im Blickpunkt, so sind es bei flexiblen Organisationsformen vor allem Flexibilität, Kreativität, Veränderung, Innovation und Evolution. Eine Organisationslösung, in der alles starr, geregelt und festgeschrieben ist, lässt der Initiative und Autonomie von Mitarbeitern keinen Raum. Doch gerade diese Eigenschaften sind in einer dynamischen Umwelt erforderlich.
    Die Herausbildung von organisatorischen Systemen mit höherer Flexibilität kann durch verschiedene organisatorische Gestaltungsmaßnahmen erreicht werden:
    • statt Vorschriften und Regeln - Vertrauen und Autonomie in die Fähigkeit organisationaler Systeme zur Selbstorganisation, z.B. Gruppenarbeit , Fertigungsinseln ;
    • Schaffung kleiner und daher flexibler Organisationseinheiten;
    • einfache und überschaubare Leitungsorganisation;
    • Dezentralisierung und Übergabe von Verantwortlichkeiten an die dezentralen Einheiten;
    • Menschenorientierung in der Mitarbeiterführung: offene Kommunikation , Vermittlung des Gemeinsamkeitsgefühls im Unternehmen, flexible Anreizsysteme , betriebliches Vorschlagswesen u.a. m.
WoltersKluwer