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Lexikon der Unternehmensführung - Organisation

Qualitätszirkel (QZ)


Diesem häufig in der Praxis anzutreffenden Konzept der Gruppenarbeit liegt der Ausgangsgedanke zu Grunde, dass die Mitarbeiter für ihre Arbeitsaufgabe und ihren Arbeitsplatz die höchste Kompetenz besitzen. Zur Lösung betrieblicher Aufgaben sollen nicht nur Experten und Führungskräfte einbezogen werden. Auf Grund ihrer jahrelangen praktischen Erfahrungen an ihrem Arbeitsplatz und bei der Ausführung ihrer Arbeitsaufgabe haben Mitarbeiter Qualifikationen erworben, die sie in die Gruppenarbeit einbringen können. Unternehmen haben erkannt, dass sich auf diesem Wege nicht nur die Produktqualität verbessern und die Produktivität erhöhen lassen, sondern die Arbeitszufriedenheit auf Grund der Mitsprache- und Beteiligungsmöglichkeit steigt.
Qualitätszirkel sind der Oberbegriff für solche Kleingruppenaktivitäten wie Lernstatt oder Werkstattzirkel. Mitarbeiter unterer Hierarchie -Ebenen treffen sich auf freiwilliger Basis, um selbstgewählte Probleme aus ihrem Arbeitsbereich in einer kleinen Gruppe (5 bis 9 Mitarbeiter) zu bearbeiten. In einem Unternehmen können sich zahlreiche Qualitätszirkel bilden.
Für die Zusammenarbeit in den Qualitätszirkeln ist es typisch, dass geschulte Moderatoren zur Leitung des Zirkels eingesetzt werden. Mit Hilfe des Moderators sammeln die Teilnehmer Themen, wählen ein Thema aus und bearbeiten es. Den Schwerpunkt in der Bearbeitung des Themas bilden die Ursachenforschung und die Suche nach Lösungsalternativen. Nach der Auswahl einer Lösungsalternative wird diese an das Management zur Entscheidung über die Umsetzung weitergeleitet.

Praxistipp

Die Entscheidung für Vorgesetzte als Moderatoren solcher Qualitätszirkel kann vorteilhaft, aber auch problematisch sein. Es ist zu beachten, dass
  • durch die Einbeziehung des Vorgesetzten als Moderator die Akzeptanz für die von der Gruppe ausgewählte Alternative erhöht wird, was sich positiv auf die vom Management zu treffenden Entscheidungen auswirken kann,
  • sich die alltägliche hierarchische Struktur im Qualitätszirkel fortsetzt und die Mitarbeiter vom Moderator Vorschläge und Anregungen erwarten, also nicht selbst kreativ denken, oder durch die Anwesenheit des Vorgesetzten gehemmt sind, abweichende eigene Vorschläge vorzutragen.
Der Moderator soll die Diskussion und den Problemlösungsprozess in der Gruppe fördern und darf nicht die Führung an sich ziehen.
Die Aufgaben eines Moderators bestehen darin,
  • die Organisation und Leitung des Qualitätszirkels zu gewährleisten,
  • den Qualitätszirkel nach außen zu vertreten,
  • die Ausbildung der Teilnehmer zu sichern und
  • gegebenenfalls die Präsentation der in der Gruppe gewonnenen Erkenntnisse vorzunehmen.
Verschiedene Umfragen und Fallstudien haben die Ergebnisse von Qualitätszirkeln beurteilt. Es konnte nahezu übereinstimmend festgestellt werden, dass die betroffenen Mitarbeiter die Einführung von Qualitätszirkeln überwiegend positiv beurteilen und auf ökonomische Zielgrößen wie Produktivität und Produktqualität tatsächlich eine positive Wirkung erfolgte. Auch die Wirkung auf soziale Größen, wie Arbeitszufriedenheit und Betriebsklima war günstig. Als Probleme stellten sich die mangelnde Unterstützung durch das mittlere Management in der Einführungs- und Durchführungsphase, die fehlende Zeit in der Zusammenarbeit im Qualitätszirkel und die lange Zeitdauer bis zur Reaktion des Managements auf Verbesserungsvorschläge.
Die Ursachenforschung hinsichtlich der fehlenden Unterstützung durch das mittlere Management bis hin zu einer widerständigen Haltung gegenüber der Tätigkeit von Qualitätszirkeln weist auf Ängste vor Macht- und Kontrollverlust hin. Durch eine Organisationsentwicklung , die diese Personengruppe in die Einführungsphase integriert, können solche Konflikte vermieden werden.
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