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Lexikon der Unternehmensführung - Organisation

Reengineering / Reverse Engineering


Reverse Engineering bezeichnet eine neue Sicht auf und eine veränderte Herangehensweise an organisatorische Gestaltungsprozesse im Unternehmen. War in der Vergangenheit eine Produktivitätsorientierung für die organisatorische Gestaltung in der Produktion ausschlaggebend, die sich auf die Fertigung und den konkreten Arbeitsplatz konzentrierte und diese von den indirekten Bereichen (z.B. Planung und Beschaffung) abkoppelte, setzt sich heute eine ganzheitliche Betrachtung der Wertschöpfungskette im Unternehmen durch.
Produktivitätssteigerungen führten zu einer Zunahme indirekter Tätigkeiten und damit zu steigenden Kosten bei abnehmender Wirtschaftlichkeit. Heute sind die Kunden nicht mehr bereit, die daraus resultierenden hohen Preise zu tragen. Gleichzeitig werden die Kundenwünsche in einer dynamischen, turbulenten Unternehmensumwelt immer vielfältiger und die Produktlebenszyklen entsprechend kürzer.
Eine neue, gestalterische Sicht auf das Unternehmen und seine internen Prozesse war erforderlich. Das Unternehmen musste als offenes, sich ständig veränderndes System begriffen werden. Diese Sicht bedeutet eine Abkehr von starren hierarchischen Strukturen mit vielen Schnittstellen hin zur Betonung von Verhaltens- und Motivationsaspekten aller Mitarbeiter des Unternehmens und der Betonung einer gemeinsamen Verantwortung. Das Unternehmen muss folglich in doppelter Weise als eine lernende Organisation begriffen werden: bezüglich der notwendigen Reaktionen und Anpassungen an die sich permanent verändernden äußeren Faktoren und zur Aktivierung der Handlungspotenziale seiner Mitarbeiter im Inneren.
Die Individualisierung der Kundenwünsche erfordert eine neue Perspektive der organisatorischen Gestaltung, die den Kunden als Quelle der Wertschöpfung betrachtet, den Produktionsprozess vom Markt her entwickelt und die gesamte Wertschöpfungskette ausgehend vom Ergebnis reorganisiert.
Die Betonung der Wertschöpfungsperspektive und die kunden- und produktbezogene Ausrichtung der Wertschöpfungskette machen es erforderlich, alle Aktivitäten und Entscheidungen im Unternehmen marktnah und prozessbezogen auszurichten.
Im Mittelpunkt der zu schaffenden, veränderten Organisation steht der Anspruch, die Geschäftsprozesse konsequent so zu gestalten, dass sich alle zur Leistungserstellung notwendigen Funktionen marktgerecht und kostengünstig realisieren lassen. Für die organisatorische Gestaltung ist eine Abkehr von Funktionen und Bereichen mit ihrer strengen Abgrenzung gegeneinander erforderlich. Hierarchien müssen flacher werden, wobei die Betonung auf der ganzheitlichen Wahrnehmung von Aufgaben , Kompetenzen und Verantwortlichkeiten liegt. Die veränderte organisatorische Gestaltung schließt das Unternehmen als Ganzes ein, erstreckt sich folglich über die Produktion hinaus auf alle Tätigkeiten in den indirekten Bereichen und der Verwaltung.
Findet eine Konzentration der organisatorischen Gestaltungsprozesse mit Blickrichtung auf die Produktion statt, so wird überwiegend der Begriff des Reverse Engineering verwendet, während Business Reengineering oder Business Process Reengineering die veränderte organisatorische Gestaltung des ganzen Unternehmens und seiner Geschäftsprozesse einschließt.
Die Zerlegung der Fabrik in einzelne logistikgerechte Bestandteile ist eine Methode, um Gestaltungsmöglichkeiten aus den verschiedenen Perspektiven (Kunden-, Wertschöpfungs-, Mitarbeiter-, Prozess-, Zeit- und Qualitätsperspektive) zu erkennen und kundengerecht bei hoher Wirtschaftlichkeit zusammenzuführen.
Die wichtigsten Gestaltungsmittel zur Umsetzung des Reverse Engineering sind die Modularisierung der Fertigung/ Fertigungssegmentierung , die Einführung von Team- und Gruppenarbeit und die Durchsetzung eines prozessorientierten Controllings.
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