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Lexikon der Unternehmensführung - Organisation

Selbstbild


Die Wahrnehmung der eigenen Persönlichkeit, insbesondere der persönlichen Stärken und Schwächen, kann durch die Person selbst oder andere Personen erfolgen. Man spricht dementsprechend vom Selbstbild oder der Selbstwahrnehmung und dem Fremdbild oder der Fremdwahrnehmung.
Von den Sozialwissenschaften werden zusätzlich die Begriffe Selbsteinschätzung und Selbstwertschätzung verwendet, die über die Wahrnehmung des eigenen Abbildes, wie beim Selbstbild oder der Selbstwahrnehmung, hinaus reichen und beurteilende oder wertende Aspekte einbeziehen.
Das erscheint sinnvoll, weil die Wahrnehmung und so auch die eigene Wahrnehmung immer ein sozialer Prozess ist, der personen- und situationsabhängig erfolgt. So beziehen sich die Selbsteinschätzung und die Selbstwertschätzung eines Menschen auf sein Selbstbild und seine selbst wahrgenommene Kompetenz. Hier knüpfen die Techniken des Selbstmanagements und der Selbststeuerung an, die eine Veränderung bzw. Anpassung der Persönlichkeit bewirken sollen.
Das Selbstbild muss nicht mit dem Fremdbild übereinstimmen. Forschungen zeigen, dass die Selbsteinschätzung häufig sehr viel schlechter ausfällt als die Einschätzung durch andere Personen. Trotzdem gibt es vielfältige Wechselwirkungen zwischen dem Selbst- und dem Fremdbild.
Zahlreiche Forschungsergebnisse belegen, dass
  • die Selbsteinschätzung ein menschliches Bedürfnis ist,
  • das Selbstbild keine feste und unwandelbare Größe ist und abhängig davon ist, wie andere die betreffende Person sehen.
Das Selbstbild bildet sich durch soziale Erfahrung. Es repräsentiert als Folge sozialer Interaktionen das, was andere von der betreffenden Person halten und wird zum verinnerlichten Äquivalent ihrer Reaktionen. Das Selbstbild ist ein Produkt des Wahrgenommenwerdens durch andere Personen und ist in hohem Maße davon abhängig, wie stark die wahrgenommene Person über die Kompetenz "Eindruck bei anderen erzeugen" verfügt. Rückmeldungen anderer Personen sind eine wichtige Ausgangsgröße zur bewussten und zielorientierten Veränderung der eigenen Persönlichkeit.
Der Zusammenhang zwischen Selbstbild und Fremdbild kann am sog. Johari - Fenster (entwickelt von Jo Luft und Harry Ingram) erläutert werden:
Die zwischen menschlichen Beziehungen lassen sich mit Hilfe der vier Flügel eines Fensters beschreiben:
Bereich I: "Öffentliche Person"
Dies sind die Verhaltensbereiche, die einem selbst und den anderen (Kollegen, Kunden, Freunden) bekannt sind. Wenn jemand über eine längere Zeit eine vertrauensvolle Beziehung zu einer anderen Person aufgebaut hat, ist dieser Bereich relativ groß. Er hat einen großen Teil seiner Person öffentlich gemacht.
Teil II: "Blinder Fleck"
Diese Feld beinhaltet Verhaltensweisen, die anderen bekannt sind, die jedoch der betreffenden Person nicht bewusst sind. Feedbackgespräche mit anderen bieten die Chance, die von anderen wahrgenommenen Stärken und Schwächen zu erkennen. Sie geben die Chance, den blinden Fleck über die eigene Person zu verkleinern und das Selbstbild mit dem Fremdbild in Einklang zu bringen.
Bereich III: "Privatperson"
Dieser Bereich umfasst den Teil der Persönlichkeit, der nur dem betreffenden selbst bekannt und bewusst ist. Er soll häufig auch anderen Personen nicht bekannt werden.(z.B. Redehemmungen, Wissenslücken etc.)
Bereich IV: "Unbekannt"
In dieses Feld gehören sowohl verdrängte Erfahrungen und Erlebnisse, die zur eigenen Lebensgeschichte gehören, aber auch latente Begabungen und Fähigkeiten, die einem selbst noch nicht bewusst geworden sind, weil es beispielsweise keine Ereignisse gab, die darauf schließen ließen.
Die Selbstwertschätzung zeigt interessante Aspekte hinsichtlich des eigenen Leistungs- und Organisationsverhaltens:
Personen, die sich selbst eine hohe Wertschätzung beimessen,
  • glauben von sich, dass sie mehr als dies notwendig ist von den Fähigkeiten besitzen, um mit ihrer Arbeit Erfolg zu haben;
  • gehen bei der Wahl ihres Beschäftigungsverhältnisses höhere Risiken ein und
  • wählen eher konventionelle Arbeitsrollen.
Personen, die sich eine eher geringe Dimension in der Selbstwertschätzung zuweisen,
  • neigen dazu, von der positiven Bewertung einer Sachlage, die andere machen, abhängig zu sein;
  • suchen Bestätigung durch andere und
  • passen sich den Einstellungs- und Verhaltensweisen solcher Menschen an, die sie achten und schätzen.
Hinsichtlich des Führungsverhaltens wurde festgestellt, dass Personen, die eine geringere Selbstwertschätzung haben, auch dazu tendieren anderen zu gefallen und beliebt zu sein. Deshalb werden solche Personen kaum unpopuläre Standpunkte vertreten.
WoltersKluwer